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   Ehrenkurator Dipl.-Ing. Herbert Philipp berichtete im Juni 2013

  Gedanken eines 90-jährigen
  über den Glauben, die Aussagen der Bibel und überhaupt:

Mein Konfirmationsspruch lautet „Halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!“ Offbg. 3,11.
Als mir, als 15-Jährigem, Vikar Mertens in der damals ärmlichen Barackenkirche am Innufer in Kufstein diesen Satz zusprach, konnte ich in meiner Jugend wenig damit anfangen. Was sollte das, ich bin doch kein König oder Prinz mit einer Krone, die mir genommen werden könnte? Ich dachte auch, ehrlich gesagt, nicht viel darüber nach.
Für mich standen damals ganz andere Ereignisse im Vordergrund. Mein Konfirmationstag war nämlich der 26. Juni 1938, nur wenige Wochen, nachdem Österreich von der Landkarte verschwunden war. Das neue Regime bot alles auf, um die Bevölkerung zu begeistern. Durch die dünnen Barackenwände dröhnten die NS-Kampflieder und Märsche aus den Lautsprechern, die in den Straßen aufgestellt waren. Ich war mit meinen Gedanken eher bei den Aufmärschen der Hitlerjugend, zu der ich damals, wenn ich ehrlich bin, mit Begeisterung rekrutiert wurde. Schon damals wurde den Jugendlichen eingebläut, den Worten des Juden Jesus nicht zu folgen. Wie der große Führer sagte, bestimmt alles die „Vorsehung“!

Als Soldat vier Jahre im Krieg schrumpfte mein Glaube zu einem kleinen, schwach flackernden Flämmchen und doch hatte ich immer das Gefühl, Gott ist mit mir – besonders aber bei meinem schweren Unfall: Ich wurde von einem gepanzerten Heeresfahrzeug angefahren, unter dem Vorderrad mitgeschleift, und mein Leben hing nur mehr an einem seidenen Faden.
Erst viel später erfasste ich, was mir der Pfarrer mit diesem Spruch sagen wollte: Die schönste Krone, die ein Mensch tragen kann, ist sein fester Glaube. Er erkannte schon damals wenige Tage nach dem „Umbruch“, dass mit allen Mitteln versucht würde, den Glauben schlecht zu reden, und wollte mich mit diesem Spruch daran erinnern, doch im Glauben fest zu bleiben!

Viele sagen: „Glauben heißt nichts wissen!“ – Es kann sein, es kann aber auch nicht sein. Die Wissenschaft sucht überall nach Beweisen für ihre Aussagen. In der Religion gilt der Grundsatz des Vertrauens. Es gibt nur die Aussagen gelehrter Männer, der Propheten und der Zeitgenossen im Leben Jesu. Aber die Tatsache, dass viele Gefolgsmänner Jesu sich eher töten ließen, als Jesu Gottesmacht und Auferstehung zu leugnen, stärkt dieses Vertrauen.
Die Aussagen wurden damals aufgeschrieben und später in die einzelnen Sprachen übersetzt. Wer die phantasiereiche und blumige Ausdrucksweise der Orientalen kennt, kann sich denken, dass die Übersetzung kein leichtes Unterfangen war. So stehen in der Bibel auch so manche Absätze in einer Ausdrucksweise, deren Sinn zu erkennen vielen schwer fällt. So ist das Besprechen der Texte in den verschiedenen Bibelkreisen, wie auch beim Bibelfrühstück im Lienzer Pfarrhaus sehr wertvoll, fördert das Verstehen der biblischen Aussagen und damit auch den Glauben.

Die Entwicklung des Glaubens im Verlauf des menschlichen Lebens ist eine Berg- und Talfahrt. Ist er bei der Konfirmation noch eine kraftvoll brennende Flamme, schrumpft er bei 95% der Menschen während der folgenden Arbeits- und Berufszeit zu einem schwach flackernden Lichtlein, das durch die Stürme des Lebens immer wieder vom Erlöschen bedroht wird. Bei einigen erlischt es auch gänzlich, einige halten es durch den Besuch der Kirche am Karfreitag und zu Weihnachten am Leben. Erst im späteren Leben, wenn ein Ende der Erdenzeit schon näher rückt, wird wieder eine Nähe zu Gott gesucht und die Flamme des Glaubens bekommt mehr Nahrung.

Als Kurator habe ich bei der Begrüßung der Konfirmanden als neue, mündige Gemeindeglieder, diese immer wieder ermuntert, dem Glaubensfeuer auch im weiteren Leben durch den Besuch der Kirche und das Hören der Predigt Nahrung zu geben. Es war in den meisten Fällen vergeblich!
Öfters dachte ich mir, ob ich das überhaupt durfte, obwohl ich selbst genau den gleichen Weg gegangen bin? Diese Hungerzeit des Glaubens scheint vorprogrammiert zu sein! Ich denke, für Gott ist nur das Zurückfinden seines Kindes zum Glauben wichtig.

 

 

   
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