Predigt von Pfarrer Hans Hecht am 6. Sonntag nach Trinitatis

in der Martin-Luther-Kirche in Lienz (08.07.2018)

 

Der Kämmerer (man könnte auch sagen der Finanzminister) aus Äthiopien
26 Aber der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße,
die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist.

27 Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, ihr Schatzmeister, war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten.
28 Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
29 Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen!
30 Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
31 Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich
zu ihm zu setzen.

32 Die Stelle aber der Schrift, die er las, war diese (Jesaja 53,7-8): »Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.
33 In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«
34 Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das,
von sich selber oder von jemand anderem?

35 Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Schriftwort an und predigte ihm das Evangelium von Jesus.
36 Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert's, dass ich mich taufen lasse?
38 Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.

 

Liebe Gemeinde!

Der schönste Satz im Bibelwort ist für mich der letzte. „Er zog aber seine Straße fröhlich“.
Christsein ist etwas Fröhliches. Darum darf in der Kirche auch gelacht werden.
Darf ich euch einen Witz erzählen?

Zwei Ballonfahrer
Ist das da unten das Gailtal?
Nein, ich denke, wir sind jetzt im Drautal. Aber sicher bin ich mir nicht.
Fahren wir etwas tiefer!
Da unten geht ein Mann spazieren (ungefähr meine Größe).
Der Ballonfahrer ruft hinunter: Wooo sind wiiir?
Der Mann unten: Im Balloooon!
Der Ballonfahrer: Das war bestimmt ein Pfarrer?
Warum?
Naja: Er hat eine kräftige Stimme, er hat die Wahrheit gesagt und wir können damit nichts anfangen.

Philippus war kein Pfarrer und der Afrikaner – man könnte sagen der Finanzminister aus Äthiopien konnte mit dem, was ihm Philippus erklärt hat, auch etwas anfangen, sodass er Christ wurde und seine Straße fröhlich zog.

Wie kommt es, dass ein Christ fröhlich sein kann?
Der Afrikaner ist tausende Kilometer zurück nach Äthiopien unterwegs. Allein. Durch viele einsame Gegenden. Aber er ist nicht allein. Er ist begleitet vom dreifaltigen Gott, Vater, Sohn und Hl. Geist. Das gilt auch für dich. Auch du bist begleitet vom dreifaltigen Gott, der dich liebt. Deswegen kannst du fröhlich sein.
Du kannst fröhlich sein, weil dir Christus sagt: Dir sind deine Sünden vergeben! Deine Schuld vor Gott ist abbezahlt. ICH habe sie abbezahlt. Am Kreuz.
Der Christ kann fröhlich sein, weil der größte Feind besiegt ist. Wer ist dein größter Feind? Der größte Feind ist der Tod. Christus hat ihn besiegt. Deswegen kannst du fröhlich sein.
Ein alter Mensch, wie ich einer bin, wird sagen: Meine besten Jahre sind vorbei. Ein Christ kann fröhlich sagen: Das Beste kommt erst. Der Himmel. Und der offene Himmel leuchtet herein in den Alltag. Das macht einen Christen fröhlich.
Wie kam es dazu, dass der Afrikaner Christ wurde? Da hat Gott Regie geführt. Ich glaube, dass Gott auch in meinem und deinem Leben Regie führt. Du musst nicht grübeln: Habe ich da die richtige Entscheidung getroffen? Gott führt Regie. Deswegen kannst du fröhlich sein.

Der Afrikaner liest die Bibel. Das ist der Anfang seines Christseins. Die Bibel ist aber auch wichtig,
dass einer Christ bleibt und als Christ wächst.

Der Afrikaner brauchte beim Bibellesen eine Anleitung. Philippus hat ihn angeleitet.
Ich will auch eine kleine Anleitung geben. Manche fragen: Wo soll ich in der Bibel anfangen?
Mein Rat: Nicht vorne, sondern beim Neuen Testament. Deswsegen beinhalten die Gideon-Taschenbibeln hauptsächlich das Neue Testament. Das ist eine Einsteiger-Bibel.

Ich empfehle das Lesen der Bibel in Gruppen. Da in der Apostelgeschichte ist es die kleinste Gruppe:
Nur der Afrikaner und Philippus.

Im Herbst fangen wir wieder an mit unseren Bibel-Gesprächsgruppen. Herzliche Einladung! Kommst du?
Nein ich werde nicht kommen.
Warum nicht?
Ich kenn mich ja nicht aus in der Bibel.
Deswegen musst du ja kommen.
Und du? Kommst du?
Nein.
Warum nicht?
Weil das, was da besprochen wird – das kenn ich schon alles.
Erstens glaube ich nicht, dass du schon alles kennst. Und wenn du wirklich mit deinen Erkenntnissen hoch über den anderen bist, dann musst du auch kommen, um die anderen an deinen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.
Es ist gut, wenn wir die Bibel lesen. Damit unser Glaube ein festes Fundament hat, und das Ziel ist auch, dass wir für andere zum Philippus werden können, d.h. so Bescheid wissen,  dass wir anderen auch den christlichen Glauben erklären können.

Das Rote Kreuz macht Kurse für Erste Hilfe. So kann jemand, der den Kurs absolviert hat, zum Lebensretter werden. Ein Mädchen aus unserer Gemeinde, die den Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, ist tatsächlich zu einer Lebensretterin geworden.
Ein Christ, der über den Glauben Auskunft geben kann, kann auch zu einem Lebensretter werden.Wenn er einen Menschen zum Glauben an Christus führt, dann wird das Leben dessen, der an Christus glaube, nicht im Tod verloren sein, sondern er wird gerettet zum ewigen Leben.

Philippus erklärt dem Afrikaner ein Prophetenwort aus dem Buch Jesaja. Das ist lange vor Christus niedergeschrieben worden. Für mich ist die Tatsache, dass es in der BibelProphetenwirte gibt, die tatsächlich
in Erfüllung gegangen sind, ein Beweis für die Göttlichkeit der Bibel. Weil die Bibel ein göttliches Buch ist,
werden auch die Voraussagen in Erfüllung gehen, die bis jetzt noch nicht in Erfüllung gegangen sind.

Philippus erklärt: Das Lamm ist Jesus. Die Schlachtung ist seine Kreuzigung.
Damit steht Jesus in der langen Tradition der Tieropfer. Jesus beendet aber auch diese Tradition. Jesus fordert von Dir kein Opfer, sondern Geschenkannahme: „Nehmt und esst“ wird es beim Heiligen Abendmahl heißen.
Das heißt: Nimm das Geschenk an!

Christliche Aktivitäten haben nicht das Ziel, sich den Himmel damit zu verdienen, sondern den Himmel auszuteilen.
Nichts anderes wollte Paulus auf seinen Reisen.
Klaus Eickhoff ist ein Mann von über 80 Jahren. Er könnte sich längst zur Ruhe setzen. Das tut er nicht.
Statt dessen hält er Vorträge – im Oktober in Lienz – damit Menschen zum Glauben kommen und ihnen die Himmelstür aufgeht.


Der heutige Bericht aus der Apostelgeschichte ist dazu da, dass du dir ganz persönlich die Frage stellst:
Wo stehe ich?

Bin ich wie der Afrikaner auf dem Weg nach Jerusalem? Ein religiöser Mensch, der aber nicht fröhlich seine Straße zieht, weil er nicht die Glaubensgewissheit hat, dass ihm der Himmel offen steht?
Dann geh den nächsten Schritt: Lies die Bibel!
Bist du der Afrikaner, der gerade Jerusalem verlassen hat und die Bibel liest?
Dann mach weiter! Stell Fragen! Such eine Gruppe von Menschen, mit denen du gemeinsam die Bibel liest. Schau, dass du fähig wirst zum Philippusdienst: Dass du anderen den Glauben erklären kannst.
Rechne damit, dass Gott dir Menschen zuführt, damit du ihnen den Glauben erklärst und du für diesen Menschen zum Lebensretter wirst.
Vielleicht ist dieser Mensch ein Afrikaner, der hier als Asylant lebt. Durch das, was du ihm sagst, könnte es sein, dass er Christ wird und er fröhlich seine Straße zurück nach Afrika zieht.
Amen.

 

 

   
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