Predigt von Pfarrer Hans Hecht am 8. Sonntag nach Trinitatis,

in der Martin-Luther-Kirche Lienz (22.07.2018)

 

Predigttext: 1. Korinther 6
9  Wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder
10 noch Diebe noch Habgierige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben.
11 Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.
13 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichtemachen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe.
14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft….
18 Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außerhalb seines Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe.
19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?
20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

 

Liebe Gemeinde!

Ich hätte ja dieses Bibelwort nicht ausgewählt für einen Gottesdienst im Sommer mit zahlreichen Urlaubern. Irgendwie ist dieses Bibelwort peinlich, das mit einem Lasterkatalog beginnt – also mit einer Aufzählung von sexuellen Verirrungen und anderen unguten Dingen. Nun ist aber dieses Bibelwort für heute vorgesehen und ich will mich der Aufgabe nicht entziehen, darüber zu predigen. Ich will aber nicht vorne anfangen, sondern hinten, wo geschrieben steht, dass Dein Leib ein Tempel ist.

Du bist ein Tempel. Etwas Besonderes, Heiliges, Ehrwürdiges. Dieses Besondere wird noch größer, wenn man bedenkt, dass Jesus selber sich auch als einen Tempel bezeichnet hat. Er sagte einmal in einem Rätselwort (Joh 2,19): Brecht den Tempel ab und in drei Tagen baue ich ihn wieder auf. Die Leute verstanden es nicht, weil sie an den Tempel dachten, der in jahrelanger Arbeit aus Stein errichtet worden war. Aber Jesus redete von seinem Leib, den sie kreuzigen werden – und in drei Tagen wird er wieder auferstehen. Wenn sich Jesus als einen Tempel bezeichnet, dann sagt er damit, dass Gott in ihm wohnt. Ihr seid ein Tempel, weil Gott durch den Heiligen Geist in euch wohnt. Der Apostel setzt voraus, dass der Heilige Geist in den Christen wohnt.
Viele fragen: Wohnt denn der Heilige Geist in mir? Wenn du da nicht sicher bist, dann bitte Gott, den Vater, um den Heiligen Geist. Jesus verspricht, dass dieses Gebet gewiss erhört wird (Lk 11,13).

Bei Christen bemerke ich oft eine Geringschätzung des Leibes. Es wird gesagt, der Leib ist ja vergänglich. Nur die Seele ist ewig.
Es ist ja richtig, dass der Leib vergänglich ist, aber die Bibel achtet ihn dennoch hoch.
In Psalm 139, 14 heißt es: Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.

Der Leib gewinnt dadurch an Wert, dass Gott sich in Jesus in einem menschlichen Leib zeigt.
Die antike Philosophie zeigt den Zusammenhang von Leib und Geist, wenn sie formuliert: Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano: Man muss beten, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei.
Die heutige Psychologie und Medizin bestätigen den untrennbaren Zusammenhang von Leib und Seele
bzw. Geist.

Lasst uns unseren Leib hochschätzen als einen Tempel und als ein Geschenk Gottes!
Wenn eine Frau von einem Mann Blumen geschenkt bekommt, dann gibt sie ihnen täglich frisches Wasser, dass sie lange frisch und schön bleiben. Der schöne Blumenstrauß ehrt den Mann, der ihn geschenkt hat.
Betrachten wir unseren Leib als ein Geschenk Gottes! Achten wir darauf, dass unser Leib lange gesund und leistungsfähig bleibt, indem wir ihn üben und schädigende Einflüsse fernhalten! Lasst uns mit unserem Leib Gott ehren, der ihn uns zum Geschenk gemacht hat.

Der Apostel Paulus, der diesen Korinther-Brief verfasste, denkt an Menschen, die als Erwachsene Christen wurden. Mit der Taufe stiegen sie ein in ein neues Leben mit Christus, den Gott auferweckte und auch die Christen auferwecken wird. Der Beginn des Christenlebens bedeutete einen Bruch mit dem bisherigen Leben, das vielfach von unguten Dingen geprägt war, die Paulus in seinem Lasterkatalog aufzählt.

Ich stelle mir vor, ein religiös interessierter Mensch, vielleicht ein Moslem, stellt die Frage: Wenn ich Christ werden wollte – gibt es dafür eine Liste von Dingen, die ich dann tun muss und von den Dingen, die ich dann nicht mehr tun darf?
Wie ist das, wenn ein Mann seine Verlobt heiraten will. Sagt er dann zu ihr: Ich hätte jetzt gerne eine Liste von den Dingen, die ich dann tun muss und die ich dann nicht mehr tun darf? So etwas ist mir noch nie untergekommen.
Die Liebe wird es ihm eingeben, was er tut und was er sein lässt. So lassen wir uns als Christen vom Heiligen Geist führen und leiten bei dem, was wir als Christen tun und lassen. Das gilt für alle Lebensbereiche: Für den Sonntag und die Werktage, für die Arbeit und die Freizeit, für den Urlaub und auch den Bereich der Sexualität braucht der Christ vor Christus nicht zu verstecken.

In vielen Bereichen des Lebens gibt es für Christen viel Freiheit für unterschiedliche Auffassungen und Lebensweisen.
So wie es auch bei verschiedenen Ehepaaren unterschiedliche Auffassungen gibt, wie sie das gemeinsame Leben gestalten.
Es gibt Paare, die machen alles gemeinsam.
Es gibt aber auch Paare, bei denen in den Ferien sie für einige Tage ins Burgenland fährt, er aber zu gleichen Zeit einige Tage in die Steiermark. Außenstehende, die dies beobachten, sehen schon die Ehe zerbrechen, während die Betroffenen sagen: Das bereichert unsere Beziehung, wenn wir dann wieder zusammenkommen und einander viel zu erzählen haben, was jeder für sich erlebt hat.

Vor einigen Tagen war ich mit Christen zusammen, die gänzlich auf Alkohol und Nikotin verzichten. Daran ist sicherlich etwas Gutes und auch kein Problem, solange sie nicht sagen: Wenn einer raucht, oder ein Bier trinkt – das ist kein Christ.
Wenn Christen sagen: Wir trinken keinen Alkohol, erhebt sich schnell der Verdacht, dass sie einer Sekte angehören.
Aber auch bei Großkirchen, z.B. bei der Römisch katholischen Kirche, gibt es einengende Vorschriften. Vor 50 Jahren hat der Papst das Rundschreiben „Humanae Vitae“ verfasst, mit dem er in Bezug auf die Familienplanung alle künstlichen Methoden wie Pille oder Kondom verbot.
Für uns evangelische Christen ist nicht maßgeblich, was der Papst sagt, sondern die Bibel ist der Maßstab. Die gibt uns viele Freiheiten. Sie sagt aber auch: Es soll nichts Macht über mich gewinnen. Es soll mich nichts gefangen nehmen.
Diese Gefahr ist aber gegeben. Z.B in Bezug auf den Alkohol. Wenn ich mir die Freiheit nehme, Alkohol zu trinken, besteht die Gefahr, dass ich ins Gefängnis des Alkoholismus gerate. Es ist Vorsicht geboten, dass es nicht dazu kommt.

Was ist aber, wenn es dazu gekommen ist? Dass einer ein Gefangener einer Sucht geworden ist?
Jesus kann befreien. Wenn Jesus Dämonen ausgetrieben hat, sollte er nicht auch eine Sucht austreiben können? Mir sind Menschen begegnet, die sagen: Jesus hat mich von der Such befreit.

Was aber, wenn mich Jesus und Entziehungsprogramme nicht befreien?
Die Worte des Paulus sind erschreckend. Alles, was Paulus in seinem Lasterkatalog aufzählt, Unzucht, Alkoholismus und vieles andere – das schließt vom Reich Gottes aus. Betroffene neigen dazu, die Sache schönzureden: Bei mir ist es nicht so schlimm. Ich bin nicht süchtig. Es ist ja keine Sünde.
Das ist nicht der richtige Weg.
Die Bibel sagt: (1.Joh 1,8-9): „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“
Die Beichte kann eine Hilfe sein, von einer Sucht loszukommen. Das Angebot der Einzelbeichte besteht auch in der evangelischen Kirche.
Für einen Süchtigen oder sonst irgendwie Gefangenen empfehle ich neben der fachkundigen Beratung dieses Gebet:
Gott, du hast durch Mose dein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Befreie mich, dein Kind, durch deinen Sohn Jesus Christus.
Du, Jesus, mutest den Menschen zu, anderen 70 x 7 mal zu vergeben. Ich will glauben, dass du auch mir 70 x 7 mal vergibst, und dass du mich eines Tages frei machst – wenn nicht in diesem Leben, dann im Himmel.
Amen.

 

 

   
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