Osterpredigt

Predigttext: 1. Korinther 15
19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.
20 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
22 Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

 

Liebe Gemeinde,
es ist ein alter Brauch, dass der Pfarrer zu Ostern von der Kanzel einen Witz erzählt.
Er will das Osterlachen, den risus paschalis, hervorrufen.



Ich pflege diesen Brauch:

In der Früh sagt Papa zum Franzi: Da hast du 2,00 €. Geh schnell zum Bäcker und kaufe 4 Semmeln für das Frühstück. Der Franzi nimmt das Geld und ist schon draußen bei der Tür.
Nach 10 Minuten oder längstens einer Viertelstunde müsste der Franzi wieder da sein. Aber nach 20 Minuten ist er noch immer nicht da. Der Papa geht hinaus, um zu sehen, ob nicht der Franzi endlich daherkommt. Da sieht er vor der Tür den Franzi sitzen. Franzi, was machst denn da?
Ich warte.
Aber worauf wartest du denn?
Weißt, der Lehrer hat uns erklärt, dass sich die Erde dreht und jetzt warte ich, dass die Erde den Bäcker zu mir herdreht.

Da hat sich der Franzi eine Hoffnung gemacht, die eine vergebliche Hoffnung war.
Um Hoffnung soll es in meiner Predigt gehen. Um die christliche Hoffnung , aber auch um vergebliche Hoffnungen.

In Vers 20 gibt Paulus den festen Grund der christlichen Hoffnung an:
„Nun aber ist Christus auferstanden“. Das ist für Paulus unumstößliche Gewissheit: Christus ist auferstanden.
Ja, man hatte Christus gekreuzigt, Er starb am Kreuz. Man hatte ihn vom Kreuz abgenommen und in ein Felsengrab gelegt, mit einem schweren Stein das Grab verschlossen und versiegelt. Aber diesen Stein hat Christus gesprengt und ist lebendig aus dem Grab herausgetreten.
Paulus ist so überzeugt von der Tatsache dieses Ereignisses, weil ihm der Auferstandene begegnet ist und alle seine bisherigen Überzeugungen total über den Haufen warf.
Paulus hielt ja die Rede von der Auferstehung für einen Unsinn und einen Schwindel. Man kann doch nicht zusehen, wie dieser Schwindel weitere Kreise zieht. Man muss diesen Schwindel auszurotten. Bis ihm Christus begegnete: Ich bin Christus, den du verfolgst. Dieses Erlebnis machte Paulus von einem Verfolger zum Missionar.
Paulus  beruft sich bei seiner Gewissheit aber nicht nur auf sein persönliches Erlebnis. Er weist auch auf die 500 Zeugen hin, die den Auferstandenen gesehen haben.

Nun ist die Tatsache der Auferstehung aber nicht bloß ein spektakuläres Ereignis vor langer Zeit. Weil Jesus auferstanden ist und lebt, lebt er auch heute. Das hat auch etwas mit uns zu tun.
Vers 22: Sie werden in Christus alle lebendig gemacht werden.

Wer ist in Christus? Wie kommen wir hinein in Christus? Durch die Taufe. Wie wir durch die Taufe in Christus hineinkommen, dafür gibt es mehrere Bilder.
Durch die Taufe kommt man in Christus, wie wenn man in einen Fluss hineintaucht. Man ist dann vom Wasser umgeben, wird vom Wasser getragen und weiterbewegt.
Oder:
Wie wenn man ein Kleid anzieht und vom Kleid eingehüllt ist, so ist der Getaufte von Christus eingehüllt.
Oder: Heute kann man ja Organe verpflanzen – Z.B. ein Stück Haut. So werden wir durch die Taufe in den Leib des Christus hineingepflanzt.
Oder ein letztes Bild: Durch die Taufe werden wir so mit Christus verbunden, wie sich zwei Eheleute bei der Hochzeit verbinden.
Dieses Bild hat Stärken und Schwächen.
Die Schwäche ist, dass eheliche Verbindungen durch Untreue oft zerbrechen. Aber Christus ist niemals untreu.
Die Stärke dieses Bildes: Eine Ehe ist nichts Statisches. Es ist wichtig, an der Ehe zu arbeiten, durch das Gespräch, durch das gemeinsame Leben. So bedarf auch die Verbindung mit Christus immer wieder der Bestätigung und Erneuerung, muss lebendig erhalten werden.

Wenn wir durch die Taufe in Christus sind, dann wird sein Weg auch unser Weg sein.
Jesu Weg: Er hat gesagt: Ich gehe zum Vater.
Auch Du, in Christus, gehst zum Vater im Himmel.
Jesus hat gesagt: Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Da ist auch für dich eine Wohnung.
Dort wird Gott abwischen alle Tränen von den Augen. Der Tod wird nicht mehr sein. Es wird kein Leid geben, keine Schmerzen, keine Behinderungen.
Es wird ein großes Festmahl geben. Ein Hochzeitsmahl mit Christus.
Du wirst zur Ruhe kommen.
Das sind  alles Bilder für das Unbeschreibliche, Unvorstellbare.

Diese christliche Hoffnung soll nicht bloß eine vage Hoffnung bleiben, sondern unerschütterliche Gewissheit, gegründet auf die Auferstehung Jesu und die unverbrüchliche Zusage Gottes. Diese Zusage Gottes ist verbrieft und dokumentiert in der Heiligen Schrift. In der Bibel.

Noch sind wir nicht am Ziel.
Der Weg zum Ziel ist nicht immer einfach. Das muss uns nicht wundern, denn der Weg Jesu war auch nicht einfach. Der Weg der Apostel war nicht einfach. Der Weg des Paulus war erst recht nicht einfach. Paulus musste viel ertragen, bis hin zum Märtyrertod.
Trotzdem sagt Paulus: Die Leiden dieser Zeit fallen nicht ins Gewicht gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
Es ist wichtig, dass wir das Ziel, die Herrlichkeit, nicht aus dem Auge verlieren.
Mancher hat statt der großen christlichen Hoffnung die kleine Hoffnung, es soll ein einfacher Weg sein. Oder er begnügt sich mit dem unchristlichen Satz: Der Weg ist das Ziel.
Das kann zu Enttäuschungen führen.
Paulus warnt uns vor dieser Enttäuschung: Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen (Vers 19).
„Allein in diesem Leben“ – Das heißt es soll und darf auch Hoffnungen in diesem Leben geben, die manchmal erfüllt werden, manchmal aber auch enttäuscht werden.
Ein kranker Mensch hat die Hoffnung auf Gesundung. Aber er darf über der kleinen unsicheren Hoffnung auf Gesundung nicht die große unverbrüchliche Hoffnung auf die Auferstehung verlieren.

Verglichen wir einen gläubigen Menschen mit einem ungläubigen Menschen dann wird es keine großen Unterschiede geben, wenn wir nur auf dieses Leben sehen.
Sowohl ein gläubiger Mensch als auch ein ungläubiger Mensch können von Krankheiten und Unfällen betroffen sein.
Ein gläubiger Mensch hat es manchmal schwerer, weil die Christus-Leiden dazukommen: Er wir manchmal wegen seines Glaubens verspottet, manchmal sogar verfolgt.
Der gläubige Mensch hat es manchmal leichter, weil er sich von Gott begleitet fühlt. Er kann sich aber auch gottverlassen fühlen.
Der gläubige Mensch ist vielleicht freigiebiger, dann hat er weniger für sich selber.
Aber im Großen und Ganzen gibt es keine großen Unterschiede wenn man nur dieses Leben betrachtet.
Aber im Blick auf das andere Leben ergibt sich ein himmelhoher Unterschied.
In den Seligpreisungen (Matthäus 5,3-10) sagt Jesus im Blick auf seine Jünger: Ja, sie sind arm, hungern und dürsten. Aber sie sind selig. Man muss sie beglückwünschen; denn ihrer ist das Himmelreich.

Ich komme zum Schluss noch einmal auf den kleinen Franz zurück. Er hat ja recht, dass sich die Erde dreht. Warum dreht die Erde dann den Bäcker nicht herbei? Er müsste einen Standpunkt außerhalb der Atmosphäre dieser Erde beziehen, dann wüsste er die Antwort. Aber das kann er natürlich nicht.

Mit dem Glauben beziehen wir einen erhöhten Standpunkt. Mit Abstand betrachtet erahnen wir vielleicht den Sinn unseres Lebensweges; warum bestimmte Hoffnungen enttäuscht wurden. Trotzdem bleiben Fragen.
Erst wenn wir am Ziel sind, bei Christus, in Gottes Herrlichkeit, dann werden wir nichts mehr fragen.
Amen.
   
© 2014 Evang. Pfarrgemeinde Lienz