Predigt  6. Sonntag nach Trinitatis am 27. Juli 2014

Predigttext: 1. Petrus 2
So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede 2 und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, damit ihr durch sie zunehmt zu eurem Heil, 3 da ihr ja geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist.
4 Zu ihm kommt als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott auserwählt und kostbar.
5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.
6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): »Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.«
7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist, 8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.
9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;
10 die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid
(Hosea 2,25).

 

Vs 4: Kommt zu Jesus!
Viele sagen: Kommt zu mir! Das Grand Hotel sagt: Kommt zu uns. Das Dolomitenhotel sagt:
Kommt zu uns.

Warum solllen wir zu Jesus kommen?
Weil er freundlich ist. (Vs 3).
Wenn wir die Evangelien durchgehen, merken wir etwas von Jesu Freundlichkeit:
Dass er zu den Aussätzigen geht, ohne Angst, sich anzustecken und sie heilt
In seiner Freundlichkeit hilft er den Hochzeitsleuten von Kana aus ihrer Verlegenheit und macht Wasser zu Wein.
In seiner Freundlichkeit gibt er den Hungernden Brot.
Freundlich sagt er dem Sünder: Dir sind deine Sünden vergeben.
In seiner Freundlichkeit kümmert er sich um seine Jünger in Seenot und sagt ihnen: Fürchtet euch nicht!
Freundlich redet er mit der Samariterin am öffentlichen Brunnen.
Freundlich wäscht er seinen Jüngern die Füße.
In seiner Freundlichkeit sind ihm die Nöte der Menschen wichtiger als die Vorschriften der Pharisäer.
Er spricht vom freundlichen Vater im Himmel, der weiß, was wir brauchen, bevor wir ihn bitten.

Hast du in deinem Leben schon etwas geschmeckt von der Freundlichkeit des Herrn?
Wer das Essen schnell hinunterschlingt, kann nichts schmecken.
Damit du etwas schmecken kannst von der Freundlichkeit des Herrn in deinem Leben, musst du dein Leben bedächtig durchkauen.
Gerade erzählte mir jemand, dass ein Sturm einen Ast vom Baum abgebrochen hat. Der Ast fiel auf sein Auto, aber es entstand keine Delle. Das ist die Freundlichkeit des Herrn.
Freundlich hat ER dein Leben bis heute erhalten.
Dass du sehen, hören und sprechen kannst, ist seine Freundlichkeit. Dass du Hände und Füße bewegen kannst. Dass du Kleidung hast. In den letzten 24 Stunden hast du mindestens 2x zu Essen gehabt. Die Blumen. Das alles ist die Freundlichkeit des Herrn.
Vielleicht ärgerst du dich über den Regen. Du kannst es aber auch so sehen: Jeder Regentropfen ist ein freundlicher Gruß vom Himmel.
In seiner Freundlichkeit stellt dir Gott einen Menschen an die Seite, der es gut mit dir meint.
Als du vor Christus bekannt hast: Ich bin ein sündiger Mensch, hat er nicht gesagt: Dann sieh zu, wie du damit fertig wirst, sondern er hat dir freundlich zugesagt: Dir sind deine Sünden vergeben.
Er hat nicht gesagt: Du wirst sterben für deine Sünden, sondern freundlich hat er dir gesagt: ICH bin für deine Sünden gestorben.
Da ist einer ohne Trost. Er sagt: In meinem Leben ist so vieles nicht gelungen. Und das Leben ist so kurz. Und es ist bald vorbei.
Diesen Menschen tröstet Jesus freundlich: Nein, dein Leben wird nicht bald vorbei sein; denn ich bin die Auferstehung und das Leben. Er sagt ihm zu: Gott wird abwischen alle Tränen von deinen Augen.

Kommt zu IHM, der so freundlich ist!
Wie kommen wir zu ihm?
Sollte einer noch nicht getauft sein – dann in der Heiligen Taufe.
Da sagt dir der Herr freundlich zu: Wie das Wasser den Schmutz vom Körper abwäscht, so wasche ich dich rein von Sünde.
Wie das Wasser das Element des Lebens ist und das Wasser dich erfrischt, so kommt aus dem Wasser der Taufe ein neues Leben heraus, das der Tod nicht auslöschen kann.
Freundlich sagt Gott dir zu: Du bist mein liebes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe. Ich bin dein Vater, der für dich sorgt.

Nun bist du schon lange getauft. Wie komme ich zu Christus?
Im Gottesdienst. Das Besondere am Gottesdienst ist, dass Jesus da ist. Er verspricht es. In jedem Gottesdienst ist Jesus da mit seinem freundlichen Wort.
Er ist da in der Gemeinde. Denn die Gemeinde ist der Leib des Christus. ER ist das Haupt. ER ist da im Heiligen Abendmahl.
Wenn die Gemeinde betet, schenkt ER ihr sein Ohr.

Seid begierig nach der Milch! (Vs 2). „Vernünftig“ ist Luthers Übersetzung für „logikos“. „logos“ ist das Wort. Die Milch ist das Wort Gottes. „Lauter“ – da steht im Griechischen „adolos“. „Dolos“ ist die List. „adolos“ ist ohne List.
Gottes Wort ist die Wahrheit.

„Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss“ (Ps 33).
Seid begierig!
Wenn wir essen, sagen wir „Guten Appetit“. Warum sagen wir das? Bei vielen ist beim Essen der Appetit meist größer,
als gut tut.

Ich wünsche euch guten Appetit für das Wort Gottes! Wenn ein Mensch alt wird, dann lässt manchmal der Appetit nach. Dann muss man dem Menschen sagen: Iss jetzt! Trink jetzt!. Sind wir Christen wie alte Menschen geworden, denen es an Appetit fehlt? Ich wünsche euch, dass ihr jung und voll Appetit werdet für das Wort Gottes.
Zeigt euren Appetit, indem ihr heute vielleicht den 1.Petrusbrief im Ganzen lest. Oder einen Psalm. Oder: Nimm dir vor, im Urlaub eines der 4 Evangelien zu lesen, um wieder zu erfahren, wie freundlich der Herr ist.

Kommt zu Christus. Er ist ein „lebendiger Stein“ (Vs 4).
Ein Fels ist ein fester Grund. Bau den Lebenshaus nicht auf Sand, sondern auf Fels. Auf den Felsen Jesus Christus.
ER ist ein lebendiger Fels. Das heißt: ER ist nicht tot, sondern ER lebt. Und er gibt Leben.

Wenn wir zu IHM kommen, dann überrascht er uns. Er überrascht uns, indem er uns ehrt.
Ehre ist den Menschen wichtig.
Ich war mit einer Gruppe unterwegs auf dem „Weg des Buches“. Das waren anstrengende Tagesetappen. Am Abend sagt eine Frau zu mir: Jetzt musst du uns schon loben, dass wir heute so tüchtig gewesen sind. Ich sagte. Da hast du recht. Ihr seid sehr tüchtig gewesen.
In der Zeitung habe ich gelesen, wie ein Chef seiner Mitarbeiter motivieren kann. Wenn sie genug verdienen, werden sie nicht dadurch motiviert, dass sie noch mehr verdienen, sondern indem er sie ehrt.
Christus ehrt uns. ER macht uns nicht klein, sondern hebt uns hoch auf SEINE Stufe.
Wer den Text aufmerksam liest merkt, wie Christus die Christen auf EINE Stufe mit sich stellt.
Christus ist der lebendige Stein (Vs 4). Und in Vers 5: „Ihr seid lebendige Steine“.
Vers 5 auch: Erbaut euch zum geistlichen Haus; das ist der Tempel, in dem der Geist Gottes wohnt. – Und Jesus ist der Tempel, in dem Gottes Geist wohnt.

Die christliche Glaubenslehre sagt: Christus ist König, Priester und Prophet.
Das sagt unser Bibelwort auch von den Christen.

Ich gehe jetzt auf den Textabschnitt ein, der in vielen Bibeln fett gedruckt ist (Vs 9).
Ihr sein auserwählt.
Eine Auswahl gibt es beim Sport.
Ich denke zurück an die Schulzeit. Wenn wir Fußball gespielt haben, dann wurden 2 Mannschaftsführer bestimmt, die dann abwechselnd die Mitspiele ausgewählt haben. Da kamen zuerst die Vereinsspieler dran. Ist es dir schon einmal so gegangen, dass du dir gedacht hast: Wann nimmt er endlich mich? Aber er nimmt dich nicht und du bleibst zum Schluss über  und es heißt dann: Denn könnt ihr haben.
Nicht so bei Jesus. Er hat dich auserwählt als einen wertvollen Mitspieler. Er braucht dich.
Er kann und will nicht auf dich verzichten.

Ihr kennt das Gleichnis Jesu vom Kaufmann, der auf der Suche nach Perlen ist. Dann findet er eine besonders wertvolle. Die will er haben. Darum gibt er alles her, um diese Perle zu haben. (Matthäus 13, 45.46). DU bist diese wertvolle Perle, die Gott haben will. Der Preis dafür ist das Blut Christi.

Ihr seid königlich. Freundlich sagt Christus zu dir: Du bist mein Bruder. Du bist meine Schwester.
Das sagt der Sohn Gottes. So bist du Gottes Kind. Ein Königskind.


Priester seid ihr.
Ein Priester opfert. Kein Tieropfer. Diese Opfer hat Christus durch sein Opfer zum Abschluss gebracht.
Es sind geistliche Opfer. Da ist zuerst das Gebet.
Und da wiederum zuerst das Dankgebet. Der Dank für die Freundlichkeit Gottes.
Aber auch das Bittgebet. Die Bitte für alle Menschen der Welt, dass sie auch etwas erfahren von der Freundlichkeit des Christus und zu IHM kommen.
Natürlich darf jeder auch für sich selber beten.
In Römer 12, 1 sagt Paulus: Das Opfer, das Gott gefällt ist, dass wir uns selber Gott geben: Dass du zu Gott sagst: Gott hier bin ich. Ich will mich dir anvertrauen. Dir will ich gehören.

Propheten seid ihr.
Denken wir nicht gleich daran, dass ein Prophet die Zukunft voraussagt. Diese Gabe kommt freilich bisweilen vor.
Denken wir daran, dass ein Prophet von Gott redet. Reden wir von Gott. Wie freundlich ER ist. Dass er aus der Finsternis herausholt zum Licht. Vom Tod zum Leben, zur Auferstehung.
Von der Finsternis des Unwissens über Gott zum Licht der Erkenntnis der Freundlichkeit Gottes.
Der Prophet redet von Gottes Willen. Sein Wille ist, dass alle zu Jesu Jüngern werden.

Ihr seid das heilige Volk.
Im April wurden die Päpste Johannes XXIII und Johannes Paul II heiliggesprochen.
Du bist schon längst heiliggesprochen.
In einer Bibelstunde sagte ein Teilnehmer: Ich bin auch kein Heiliger.
Ich widersprach: Doch, du bist ein Heiliger.
Aber in meinem Leben sind doch so viele Dinge, die nicht zu einem Heiligen passen.
So wie bei den Menschen, an die Petrus schreibt. Da war auch vieles, das nicht zu Heiligen passt. Deshalb ermahnt Petrus sie, das abzulegen (Vs 1): Bosheit, Betrug, Heuchelei, Neid, üble Nachrede.
Die Mahnung wäre nicht nötig gewesen, wenn es das bei diesen Leuten nicht gegeben hätte. Das sollen sie ablegen – nicht DAMIT sie heilig werden.
Lege das ab, WEIL du heilig bist.

Du bist heilig. Du gehörst zu Gott. Werde mehr und mehr so, wie Gott ist.
Gott ist nicht Bosheit, sondern Güte. Werde auch du gütig.
Bei Gott ist kein Betrug, sondern Wahrheit.  Werde auch du wahr
Bei Gott ist kein Neid, sondern er gönnt dir alles Gute.
Gott sagt nichts Schlechtes über dich. Im Gegenteil: ER spricht dich heilig.

Amen
   
© 2014 Evang. Pfarrgemeinde Lienz