Predigt von Pfr. Hans Hecht beim

Ökumenischen Gottesdienst in Berg  (19. Jänner 2016)

 

Bibelwort: 1. Petrus 2, 9-10
Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;
die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid. (Hosea 2,25)

  

Liebe Schwestern  und Brüder!

In den Weihnachtsferien waren unsere Enkelkinder auf Besuch. Und wie es eben so ist bei Geschwistern, gab es auch manchmal Streit (War ja bei meiner Schwester und bei mir auch so, als wir noch Kinder waren).
Ich denke darüber nach, wie es dazu kommt. Unter Geschwistern ist ja oft eine harte Konkurrenz.
Beide zeichnen etwas. Der kleinere Bruder sieht, dass seine Zeichnung nicht so schön gerät.
Dann sagt er zur Schwester: Deine Zeichnung ist schiach.


Was unter Geschwistern passiert, geschieht auch unter den Schwesterkirchen.
Als evangelischer Christ sage ich es einmal aus evangelischer Sicht. Wir sind die kleinere Kirche. Haben nicht so viel Einfluss. Um uns besser zu fühlen, machen mir manchmal die katholische Kirche schlecht. Reden schlecht über sie.
Die Ursache ist ein mangelndes Selbstbewusstsein. Denn wer ein starkes Selbstbewusstsein hat, hat es nicht nötig,
den anderen schlecht zu machen.


Der Apostel Petrus stärkt mit seinen Worten unser Selbstbewusstsein.
„Ihr seid das auserwählte Geschlecht“ sagt er.
Ich denke daran, wie wir als Kinder Fußball gespielt haben. Ich war ja kein großartiger Fußballer. Die zwei besten waren die Mannschaftskapitäne und haben aus den Kindern ihre Mannschaften gewählt. Das war dann sehr kränkend, wenn ich übriggeblieben bin, und mich keiner haben wollte.
Nun sagt der Apostel: Du bist auserwählt. Gott will dich in seiner Mannschaft haben.

Eine Priesterschaft seid ihr. Der Priester ist etwas besonderes. Das kommt ja auch in unserem Sprachgebrauch heraus, wenn wir den Priester mit „Hochwürden“ anreden.
Du bist ein Hochwürden, sagt Petrus.
Martin Luther hat es so ausgedrückt: Was aus der Taufe gekrochen ist, ist schon zum Priester geweiht.
In der Römisch katholischen Kirche hat das II. Vatikanische Konzil vom „allgemeinen Priestertum der Gläubigen“ gesprochen.
Ich habe die in der katholischen Kirche gebräuchliche Einheitsübersetzung in die Hand genommen.
Da steht bei 1. Petrus 2, 9 als Fußnote: „Der Vers ist die grundlegende neutestamentliche Stelle über das Priestertum aller Gläubigen“.


Die königliche Priesterschaft seid ihr. Da wir euch nochmals eine besondere Würde verliehen.

Was bedeutet das, dass du Priester bist?
Du hast einen besonderen Zugang zu Gott. Gott redet zu dir. In der Predigt und wenn du die Bibel liest,
dann redet Gott zu dir.

In deinem Gebet redest du mit Gott. In deinem Gebet darfst und sollst du vor Gott eintreten für die ganze Welt.
Der Priester ist ein Diener Gottes. Mit deinem Loblied dienst du Gott.
Der Priester segnet. Als Priester und Priesterin darfst und sollst du die Menschen segnen.

Heiliges Volk seid ihr. Weil ihr Gott gehört.

Er hat euch berufen von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.
Ohne Gott sein, das ist Finsternis. Ohne Sinn, ohne eine Aufgabe, für die es sich lohnt, sich einzusetzen. Nichts wissen vom richtigen Weg. Das ist Finsternis.
Da hat dich Gott herausgerufen zu seinem wunderbaren Licht. Zu Christus, der dir Leben gibt über den Tod hinaus,
hat dich hineingerufen in das Licht der göttlichen Liebe. Gottes geliebtes Kind darfst du sein.


Die Wohltaten Gottes, der euch von der Finsternis zu seinem Licht berufen hat, sollt ihr verkündigen.
„Wie soll ich das verkündigen? Ich bin kein Pfarrer“ sagst du.
Trotzdem sollst du von Gott reden. Zu deinen Kindern und Enkelkindern.
Wenn du heute zum Gottesdienst gehst und an jedem Sonntag, wenn du zum Gottesdienst gehst,
verkündigst du bereits ohne Worte etwas von diesem Gott, der dein Licht ist.

Wenn Du vor anderen ein Tischgebet sprichst, dann verkündest du etwas von dem Gott,
der uns das tägliche Brot gibt.

In der heutigen Gesellschaft, in der Gottes Gebote immer weniger Rolle spielen – wenn da einer nach Gottes Geboten lebt, dann verkündigt er schon etwas von diesem Gott, der uns die Gebote gegeben hat.
In der heutigen Zeit kommt es immer öfter vor, dass in Gesprächen der Glaube und die Kirche lächerlich gemacht werden. Da bist du aufgerufen, etwas zu sagen von diesem Gott, an den du glaubst und der Licht ist für dein Leben.

Eine besondere Würde spricht euch der Apostel zu, als auserwähltes Geschlecht, als heiliges Volk, als königliche Priesterschaft.
Wenn dir jemand diese Würde absprechen will, dann glaube nicht seiner Stimme, sondern dem Wort Gottes,
das dir diese Würde zuspricht.

Wenn du selber an deiner Würde zweifelst, dann vertraue dem Wort Gottes mehr als deinen Gefühlen.

Diese besondere Würde gilt dir als einzelnem. Lass es für dich gelten! Und lass es auch für deinen Mitchristen gelten!
Der Apostel Petrus verwendet Mehrzahlworte: „Volk“, „Priesterschaft“.
Die Zusage gilt den einzelnen Kirchen. Die evangelische Kirche ist heiliges Volk. Die katholische Kirche ist heiliges Volk.
Dieses Wort gilt aber vor allem der ganzen Christenheit. Sie ist Gottes auserwähltes Volk.
Die Bibel zeigt uns die Christenheit als einen Organismus, wie mein Körper, mit Händen, Füßen, Augen, Ohren und allem, was sonst noch dazugehört. Die Hand ist etwas anderes wie ein Fuß, wie die evangelische Kirche anders ist als die katholische.
Wenn ein Körperteil schmerzt, leidet der ganze Körper, wenn sich ein Mensch freut, ist der ganze Körper betroffen.
Wenn eine Stelle am Bein schmerzt, reibt die Hand Salbe darauf.

Diese Bild vom Leib lehrt und den richtigen Umgang von Christ zum Mitchristen, von Kirche zu Kirche,
damit wir gemeinsam die finstere Welt zum Licht rufen können.

Amen.

 

   
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