Predigt von Pfr. Hans Hecht zu Pfingsten

im Mai 2015 in der Martin-Luther-Kirche in Lienz

 

Predigttext: Johannes 14: 23
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist
nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch,
wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Liebe Gemeinde?

Wie geht es dir, wenn Besuch kommt?

Naja, das kommt darauf an, WER kommt. Und wie weit er meine Zeit in Anspruch nimmt, oder meine Pläne über den Haufen wirft. Ob es ein Thema gibt, über das wir uns unterhalten können. Manchmal bin ich auch froh, wenn der Besuch wieder weg ist.
Einmal war alles ganz anders. Da besuchte mich eine junge Frau, die damals noch nicht „Hecht“ hieß. Sie nahm meine ganze Zeit in Anspruch, warf alle meine Pläne über den Haufen. Der Gesprächsstoff ging uns nicht aus. Sie raubte mir den Schlaf. Und ich wollte nicht, dass sie wieder weggeht.
Wir haben dann geheiratet, sind zusammengezogen. Ich blieb nicht da, wo ich war, denn sie meinte, wir sollten uns wo anders eine Wohnung suchen.
Und es war schön. Und ist noch immer schön.

Im Evangelium heißt es: „Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“.
Es spricht hier Jesus Christus. Mit „Wir“ meint er sich und den Vater.
Er drängt sich nicht auf. Er kommt zu dem, der ihn liebt.
Liebe ich ihn denn? Möchte ich, dass er kommt?
Wir haben gesungen „O komm du Geist der Wahrheit…“ Vielleicht war diese Einladung ein wenig unvorsichtig, weil du gar nicht möchtest, dass er kommt.
Wenn du möchtest, dass er kommt, dann ist das schon genug Liebe, dass er auch kommt.
Aber ist meine Wohnung denn würdig genug für so einen hohen Gast? Denken wir daran, dass der Stall von Bethlehem für ihn gut genug war. Dann werde ich auch eine Wohnung sein, die passt.
Aber ich muss mich darauf gefasst machen, dass er die Wohnung umgestaltet. So, wie wenn die Frau in die Wohnung einzieht. Dann gestaltet sie auch um: Möbel werden umgestellt, andere Bilder werden aufgehängt.
Wenn Gott bei dir Wohnung nimmt, wirst du zu etwas ganz Besonderen: Zu einem Tempel. Zur Zeit Jesu war der Tempel in Jerusalem etwas ganz Besonderes. Er galt als ein Weltwunder. Du bist etwas ganz Besonderes, wenn Gott in dir wohnt.

Wenn meine Frau und ich irgendwohin auf Besuch kommen, außerhalb von Osttirol, dann kauft meine Frau als Gastgeschenk oft eine Lienz-Rose. Weil sie etwas mitbringen will, was typisch ist für den Ort, wo wir herkommen.
Wenn Gott zu dir auf Besuch kommt, bringt er auch ein Gastgeschenk mit, das typisch ist für den Ort wo er herkommt.
Er kommt aus dem Himmel. Was ist typisch für den Himmel?
Er bringt dir als Gastgeschenk das ewige Leben mit.


WER kommt denn da? Das ist in der Bibel ein wenig verwirrend. Ist es Jesus Christus mit seinem Vater? Ist es der Heilige Geist?
Wer ist der Heilige Geist? Man kann sagen: Der Heilige Geist ist der Gott in uns.
„Tröster“ übersetzt Martin Luther das griechische Wort „Paraklet“ Eigentlich heißt es „der Herbeigerufene“. Wir können ihn herbeirufen und er kommt dann auch. Im Lateinischen heißt es „Advocatus“. Der Advokat steht mir bei. Er ist mein Beistand. Der Rechtsvertreter. Der Heilige Geist vertritt mich im Gebet. Er betet für mich, wenn mir die Worte fehlen.

Im Evangelium ist das Wort „Wort“ ganz wichtig.
Ich habe mit meiner Frau viel geredet. Unsinn und Gutes. Leider viel zu wenig.
Von diesen vielen Wörtern ist eines ganz entscheidend: „Ja“. „Ich liebe dich!“
Dieses entscheidende Wort sagt Gott auch zu dir¨“Ja“ sagt er zu dir. Und: „Ich liebe dich!“ Dieses Wort Gottes an dich musst du festhalten.

Christus sagt aber noch viel mehr als dieses eine, entscheidende Wort. Zeige Christus deine Liebe, indem du hinhörst
auf das Wort Christi und es festhältst.

Wo können wir das Wort des Christus hören?
Viele sagen: Das ist die innere Stimme.
Diese Meinung ist esoterisch, aber nicht evangelisch. Evangelisch ist, was Luther sagte: Halte dich an das geschriebene Wort der Bibel und an die Predigt über die Bibel. Da spricht Christus zu dir.
Luther machte die leidvolle Erfahrung, dass viel Unsinn behauptet wurde unter Berufung auf die Stimme des Heiligen Geistes.
Um es mit einem Witz zu sagen: Mancher meint, er habe den Heiligen Geist. In Wahrheit hat er nur einen ganz gewöhnlichen Vogel.
Das mag es wohl manchmal auch geben: Eingebungen durch den Heiligen Geist. Aber das kann nicht im Widerspruch stehen zum Wort Christi. Sonst ist es nicht der Heilige Geist, sondern ein ganz anderer Geist. Der Heilige Geist lehrt und erinnert an das, was Christus gesagt hat.

Zeigen wir Christus seine Liebe, indem wir sein Wort ganz wichtig nehmen!
Freuen wir uns darüber, dass in uns wohnen will und uns zum Tempel macht!
Rechnen wir damit, dass ER in unserem Leben manches umstellen wird und dass es auch turbulent werden könnte!
Freuen wir uns über das, was er mitbringt:
Das ewige Leben. Trost, Mut, Glauben, Liebe, Freude.a
Und einen Frieden, den wir sonst nirgends finden können als nur bei IHM.
Amen.

   
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