Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen:

(13. bis 19. April 2014)

 

13. April
Palmsonntag ist heute.
Als Jesus in Jerusalem einzog, breiteten die Leute Kleider aus auf dem Weg und Zweige von den Palmen. Darum heißt der Tag Palmsonntag.
Dieses Geschehen gibt mir in zweifacher Hinsicht zum Nachdenken.
Erstens:
Jesus kommt nicht hoch zu Ross, sondern ganz bescheiden auf einem Esel. Trotzdem erkennt die Menschenmenge in ihm den König und sie bejubeln ihn auch entsprechend.
Das heißt übertragen in unsere Zeit:
Man muss kein dickes Auto haben, um eine bedeutende Persönlichkeit zu sein. Man kann auch mit einem öffentlichen Verkehrsmittel kommen, oder mit dem Fahrrad oder zu Fuß.
Zweitens:
Willst du es zulassen, dass Jesus auch für dich der König ist, der in dein Leben hineinregiert? Damit kannst du nur gewinnen. Denn Jesus Christus ist ein barmherziger König, der reich beschenkt.

 

 


14. April
Der gestrige Palmsonntag erinnert an Jesu Einzug in Jerusalem.
Dann erfolgte die sogenannte Tempelreinigung.
In der Bibel steht das so:
Jesus fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um
Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker. Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. (Mk 11,15.17)
Wenn Jesus die Händler aus dem Tempel austreibt, dann lehrt uns das, dass wir mit Gott nicht Handel treiben sollen: Gott, ich bringe Dir ein Opfer und dann habe ich den wohlerworbenen Anspruch auf deinen Segen. Das ist Handel mit Gott.
Wir sollen nicht als Händler zu Gott kommen, sondern als Beter. Die Haltung des Beters ist Demut:
Gott, alles was ich habe verdanke ich dir. Und was ich wünsche, darauf habe ich keinen Anspruch, aber ich komme mit meinen Bitten zu Dir, vertrauensvoll wie ein Kind zum guten Vater.

 

 


15. April
Es bewegt mich, dass die Bibel uns auch an den Gebeten Jesu teilhaben lässt.
Bevor Jesus gefangengenommen wurde, betete er im Garten Gethsemane.
Sein Gebet lautete:
Lieber Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst.
(Mk 14,36)

Drei Dinge sind mir wichtig an diesem Gebet.
Erstens die Anrede.
Lieber Vater. Wir dürfen uns Gott vorstellen wie einen lieben Vater, dem seine Kinder am Herzen liegen und der für seine Kinder sorgt.
Zweitens:
Wir brauchen uns nicht zu schämen, im Gebet unsere Wünsche vor Gott auszusprechen. Die kleinen und die großen Wünsche.
Drittens:
„Doch nicht, was ich will, sondern was du willst“. Dem Willen Gottes Vorrang geben gegenüber den eigenen Wünschen.

 


16. April
Es war doch nur eine Notlüge – als Petrus sagte „Ich kenne Jesus nicht“.  

Aber seine bitteren Tränen zeigen, dass diese Verleugnung nicht bloß eine Belanglosigkeit war, sondern eine schwerwiegender Fehler. Eine schwere Sünde.
Wir müssen uns fragen, wo wir so reden oder handeln, als ob wir Jesus nicht kennen würden, obwohl wir doch seit der Taufe zu Jesus gehören.
Das Bemerkenswerte ist, dass Jesus mit dem Versager Petrus nicht Schluss macht, sondern Jesus macht Petrus zum ersten Pastor, zum Hirten der jungen Kirche.
Eine Kirche, die in der Nachfolge Jesu steht, tut gut daran, dass sie nicht Schluss macht mit Menschen, die versagt haben. Die Z.B versagt haben in ihrer Ehe, die geschieden sind und vielleicht mit einem anderen Partner einen neuen Anfang gewagt haben.
Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Kirche mit solchen Menschen nicht Schluss macht, ist, diese Menschen zur Kommunion einzuladen.

 

 


17. April
Heute ist der Gründonnerstag.
Dieser Tag erinnert an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern einnahm.
Zwei Dinge sind mir besonders wichtig an den Schilderungen dieses Mahles in der Bibel.
Das eine ist das Wort Jesu: „Das tut zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19).
Wenn wir Christen sein wollen, dann sollen wir auch dieses Wort Jesu ernst nehmen und „das tun“, d.h. regelmäßig an der Kommunion teilnehmen.
Das andere Wort Jesu ist mir auch besonders wichtig:
„Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28).
Das Sterben Jesu am Kreuz war also kein sinnloses Sterben. Jesus selber deutet den Sinn seines Sterbens in diesem Abendmahlswort: Zur Vergebung der Sünden.
Vergebung der Sünden zu erfahren ist etwas Wunderbares. Das ist neu geboren sein. Neues Leben. Ewiges Leben.

 


18. April
Heute ist Karfreitag.
Wir schauen hin zum Kreuz Jesu Christi.
Ich darf mit Christus einen Tausch machen. Nicht einen Tausch von Gleichwertigem, sondern einen Tausch, wie er ungleichwertiger nicht sein kann.
Ich darf Christus alle meine Sünde anhängen. Meine Übertretungen der Gebote. Meine Lieblosigkeit zu Gott und den Menschen. Meinen Egoismus und alles, was dazugehört. Das nimmt Christus auf sich und erleidet dafür die Strafe. Die Todesstrafe.
Er gibt mir dafür das Seine. Seine Heiligkeit und den Lohn für seine Heiligkeit, nämlich den Himmel.
Um es einmal mit nicht christlichen Worten zu sagen: Ich gebe Christus mein Karma und er gibt mir das seine.
So wird mir der Blick zum Kreuz zum starken Trost, weil der Gekreuzigte meine Stellung Gott gegenüber radikal verändert.

 

 


19. April
Heute ist Karsamstag.
Ich versuche, mir die Situation der Jünger Jesu vorzustellen.
Jesus, der für sie der wichtigste Mensch war, ist tot und liegt im Grab. Sie haben nicht nur einen Menschen verloren, denn sie hatten eine Ahnung davon, dass dieser Jesus göttlich war.
Und nun ist dieser Mensch nicht mehr und sie können nichts für ihn tun. Selbst wenn sie könnten, dann dürften sie nicht, denn es ist ja Sabbat. Der Wochentag, an dem jede Arbeit ruhen muss.
Mir kommt vor, dass unser ganzes Leben irgendwie diesem Karsamstag gleicht. Menschen liegen in den Gräbern. Manche standen uns besonders nahe und waren uns wertvoll. Wir können nichts für sie tun.
Selbst wenn wir schöne Blumen ans Grab stellen, dann ist es mehr für uns als für den Verstorbenen.
Aber etwas Entscheidendes unterscheidet den Karsamstag der Jünger Jesu von unserem Leben. Der Karsamstag der Jünger war vor Ostern. Wir dürfen nach Ostern leben. Es hat sich gezeigt: Während die Jünger nichts für Jesus tun konnten, tat Gott alles. Er weckte Jesus von den Toten auf.
Seither können wir es wissen: Es gibt eine Auferstehung. Die Freude darüber muss unsere Traurigkeiten vertreiben.

 

 

   
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