Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen: 

(15. bis 21. März 2015)

15. März
Wenn man in der Früh keine Vögel hört, liegt es nicht an den Vögeln, sondern am Menschen, der nicht hinhört.

Ich denke, das kann man auch auf Gott übertragen. Manchmal sagt einer: der Die Bibel berichtet, wie Gott früher so oft geredet hat. Warum spricht er heute nicht mehr?
Ich denke nicht, dass es an Gott liegt.
Zu mir redet Gott täglich. Immer wenn ich die Bibel aufschlage und darin lese, dann redet Gott zu mir.
Überall in den Kirchen, wo die Worte der Bibel gepredigt werden, da redet Gott.
Und er sucht Menschen, die bereit sind, darauf zu hören.



16. März
Die Grundversorgung in den einzelnen Gemeinden - wie es damit aussieht, darüber habe ich in der Zeitung gelesen.
Das interessiert mich, denn in der Pension möchte ich wo leben, wo die Grundversorgung gewährleistet ist. Ich weiß ja nicht, wie lange ich noch beweglich bin - zu Fuß, oder mit dem Fahrrad oder mit dem Auto.
In der Zeitung ist auch aufgezählt, was zur Grundversorgung gehört: Altenheim, Apotheke, Arzt, Lebensmittelgeschäft, Polizei, Bank, Tankstelle, Post.
Eines fehlt mir bei dieser Aufzählung: Die Kirche.
Wenn ich einmal in Pension bin, will ich auch eine Kirche meines Bekenntnisses in der Nähe haben, wo ich vielleicht noch mithelfen kann, aber auch, wo ich die Predigt des Wortes Gottes hören kann.
Denn: Der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht – sagt Jesus.


17. März
Jeden Dienstag Vormittag treffen wir uns im Bildungshaus, um über ein Bibelwort nachzudenken. Zuletzt lasen wir, was Jesus über das Spenden sagt: Dass wir’s nicht mit der Absicht tun sollen, dass wir von den Leuten dafür gelobt werden.
Gleichzeitig merkten wir, wie groß das Bedürfnis des Menschen nach Lob und Anerkennung ist.
Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, wie groß wir in Gottes Augen sind:
Geschaffen als Gottes Ebenbild. Das ist unsere unverlierbare Würde. Von Gott geliebt und gewollt. In der Taufe spricht Gott dir zu: Du bist mein liebes Kind. An dir habe ich Wohlgefallen.
Das heißt nichts weniger, als dass du ein Königskind bist.
Wer das begreift, ist befreit von dem Zwang, um Lob und Anerkennung von Menschen kämpfen zu müssen.


18. März
Heute ist wieder Mittwoch.
Fast jeden Mittwoch trifft sich eine kleine Gruppe von Christen in der Kapelle des Bezirkskrankenhauses Lienz zum Gebet.
Könnte es sein, dass durch diese kleine Gruppe mehr in der Welt bewegt wird als durch viele Konferenzen, zu denen Hunderte aus der ganzen Welt fliegen?
Jesus hat nicht gesagt: Organisiert Konferenzen.
Aber in der Bibel steht einige hundert mal die Aufforderung zum Gebet.
Jeder ist eingeladen, sich dieser Gebetsgruppe anzuschließen:
Wie gesagt: Mittwoch um ca. 19:40 Uhr in der Kapelle des Bezirkskrankenhauses Lienz.


19. März
Es ist gut, wenn wir Vorbilder haben.
Aber die Vorbilder dürfen auch nicht zu perfekt sein, sonst entmutigen sie uns eher, als dass wir ihnen nacheifern würden.
Als Christen haben wir in den Aposteln Vorbilder. Gut, dass die Bibel die Apostel nicht als perfekt beschreibt und auch ihre Fehler erwähnt.
Von den Apostelbrüdern Jakobus und Johannes wird berichtet, dass sie den Wunsch hatten, links und rechts neben Jesus zu sitzen in seinem Reich.
Dieser Wunsch ist menschlich verständlich. Aber Jesus korrigiert sie und sagt:
Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.
Dabei werden wir allerdings doch auch auf das große Vorbild hingewiesen, das Jesus selber ist:
Obwohl er so groß ist, ist er nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.


Freitag, 20. März
Frühlingsanfang ist heute.
Für mich ist der Wechsel der Jahreszeiten immer ein wunderbares Gottesgeschenk.
Wenn eine Jahreszeit immer fortdauern würde, dann wären wir ihrer bald überdrüssig.
Die neue Jahreszeit lässt uns Neues erwarten, auf das man sich freuen kann.
Zu Frühlingsbeginn warten wir auf die immer wärmer werdenden Sonnenstrahlen, auf die frischen Blüten, die immer zahlreicher werden, auf das grüne Gras und die ersten Schmetterlinge.
In einem Lied in unserem Kirchengesangbuch (EG 148) ist die neue Jahreszeit auch ein Bild für die Ewigkeit, für Gottes Himmel, in dem er alles neu macht. Der Dichter Johann Walter freut sich schon darauf und dichtet:
Herzlich tut mich erfreuen die liebe Sommerzeit,
wenn Gott wird schön erneuern alles zur Ewigkeit.
Den Himmel und die Erde wird Gott neu schaffen gar,
all Kreatur soll werden ganz herrlich, schön und klar.


21. März
Unter den Worten, die Jesus gesprochen hat, gibt es auch schwer verdauliche.
Zum Beispiel dieses:
Da sagt Jesus zu einem: Folge mir nach!
Der antwortet: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor meinen Vater begrabe.
Aber Jesus: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! (Lukas 9, 59 – 60).
Warum ist Jesus so radikal?
Wohl deswegen, weil ihm die Lebenden wichtiger sind als die Toten.
Die Lebenden sollen es erfahren, dass in Jesus der Gott kommt, der stärker ist als der Tod. Die Lebenden sollen es wissen, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist, damit sie an IHN glauben und als Glaubende durch den Tod hindurch zum ewigen Leben kommen.
Jesus ist so radikal, weil es ihm radikal uns Leben geht.
Jesus kommt mir vor wie der Bergretter, der zuerst die aus der Lawine herausholt, für die noch Hoffnung besteht, bevor er die Toten birgt.

 

 

   
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