Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen: 

(28. Feber bis 5. März 2016)

28. Feber
Es schneite. Da ging ich auf den Hochstein. Mit den Tourenschiern zog ich die erste Spur durch den tiefen Schnee.
Drei Tage später war ich wieder dort unterwegs. Meine Spur konnte ich noch immer erkennen. Viele sind inzwischen auf dieser Spur gegangen. Sie haben die Spur wohl für gut befunden und sich wohl auch gefreut, dass es nun schon leichter ging und sie nicht selber spuren mussten.
Ich frage: Wird es in meinem Leben Spuren geben, die bleiben werden. Spuren, bei denen es Mühe kostete, sie anzulegen, aber über die sich andere gefreut haben? Dann hätte ich nicht umsonst gelebt.
Was könnten solche Spuren sein?
Morgen werde ich weiter erzählen von der Spur.


29. Feber
Gestern erzählte ich von einer Aufstiegsspur auf den Hochstein, die ich mit den Tourenschiern angelegt hatte – Eine Aufstiegsspur, die dann auch viele andere benützten.
Die Spur war nach einigen Tagen noch immer zu erkennen. Ich wollte sie wieder benützen. Dabei merkte ich, dass sie inzwischen schon stark vereist war, und nicht mehr zu benützen war. Ich musste eine neue Spur suchen.
So ist es wohl auch im Leben. Mat hat etwas angefangen, es hat sich so etwas wie eine Tradition herausgebildet. Aber die Umstände haben sich so geändert, dass diese Tradition keinen Wert mehr hat. Dann muss man wieder einen neuen Weg gehen.
Das wird für das persönliche Leben gelten, für die Arbeit in der Kirche und gewiss auch für einen Bürgermeister.
Morgen werde ich weiter erzählen über die Spur.


1. März
Ich habe schon gestern und vorgestern erzählt über meine Aufstiegsspur, die ich mit den Tourenschiern auf den Hochstein angelegt hatte, die aber dann mit der Zeit ganz vereist war und nicht mehr zu gebrauchen war. Ich habe davon erzählt, dass man auch im Leben öfter eingefahrene Gleise verlassen muss.
Wenn ich selber erkenne, dass die Spuren, die ich gelegt habe, nicht unbedingt einen bleibenden Wert haben, dann kann ich auch nicht einem anderen raten: Folg meiner Spur.
Ich glaube aber, dass Jesus eine bleibende Spur gelegt hat. Er sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, außer durch mich.


2. März
Im Flugzeug beim Start und bei der Landung muss man sich anschnallen. Die englische Aufforderung dazu heißt: Fasten Your seat belts. Da wird man sogar im Flugzeug an das Fasten erinnert. Ich frage mich, ob das Anschnallen mit dem Fasten etwas zu tun hat.
Wenn ich mich anschnalle, dann bin ich fest mit meinem Sitz verbunden. Dann haut es mich bei Erschütterungen nicht so leicht vom Hocker. Das gibt mir Sicherheit.
In der Bibel lesen wir, dass Jesus 40 Tage in der Wüste war und fastete. Er ging wohl in die Wüste, um sich innig und tief mit Gott, mit seinem Vater im Himmel, zu verbinden. Wenn wir die Fastenzeit dazu nützen, um uns fest mit Gott zu verbinden, im Gebet, im Hören auf sein Wort, dann finden wir Halt bei Gott.
Also haben Fasten und sich Anschnallen doch etwas gemeinsam.


3. März
Von guten Mächten wunderbar geborgen – So beginnt ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer. Aus dem Gedicht ist ein bekanntes Lied geworden.
Neulich las ich irgendwo diesen Titel, aber der Schreiber hat sich vertippt. Statt geborgen stand da geboren. Von guten Mächten wunderbar geboren.
Für mich ist eine Geburt etwas Wunderbares.
Meine eigene Geburt. Ich konnte auch bei den Geburten unserer Kinder dabei sein.
Jedes Mal ein Wunder. Freilich geboren von der Mutter. Aber ich erkenne dabei doch wunderbare Mächte am Wirken. Gott selber wirkt.
Die Bibel gebraucht das Wort Geburt auch dann, wenn ein Mensch durch den Glauben an Jesus Christus neu wird. Da beginnt ein neues, ewiges Leben. Das ist auch ein Wunder, gewirkt durch den Heiligen Geist Gottes. Es ist kein Fehler, wenn sich einer vertippt und schreibt: Von guten Mächten wunderbar geboren.


4. März
In der Zeitung las ich, dass Astronomen einen neuen Planeten entdeckten. Genauer: Der Planet wurde noch nicht gesehen, aber weil andere Objekte, die sich um die Sonne bewegen, von ihrer zu erwartenden Bahn abweichen, nimmt man die Existenz dieses Planeten an.
Das ist für mich ein schönes Gleichnis für die Existenz Gottes. Gott hat auch noch niemand von uns Sterblichen gesehen. Aber es gibt Phänomene, die für mich nur durch die Existenz Gottes erklärbar sind:
Dass überhaupt etwas ist und nicht nichts ist.
Das Leben ist für mich ein Wunder Gottes.
Dass es kein Volk ohne Religion gibt, ist ein Hinweis auf die Existenz Gottes.
Wenn ein Mensch seinen Egoismus ablegt und für andere in Bewegung kommt, weist er hin auf den Gott, den wir nicht sehen können, aber an seinen Wirkungen erkennen.



5. März:
Martin Luther soll gesagt haben:
Darf unser Herrgott gute, große Hechte und auch guten Rheinwein schaffen,
so darf ich auch wohl essen und trinken.
Und ich ergänze:
Darf unser Herrgott den Hans Hecht schaffen und zum Pfarrer machen, so darfst du auch wohl zuhören, wenn er das Wort des Christus predigt – jeden Sonntag irgendwo in Osttirol oder Oberkärnten.

 

   
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