Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen: 

(3. bis 9. Juli 2016)

3. Juli
Eine Frau sagt zu mir: „Am Montag segn ma uns“.
Sie dachte an die Bibelstunde, die wir am Montag haben.
Für meine Ohren hat sich das „Segn ma uns“ angehört wie „Segnen wir uns“.
Das trifft ja zu. In der Bibelstunde sind wir gesegnet durch das Wort Gottes in der Heiligen Schrift. Wir sind gesegnet durch das, was jeder und jede beiträgt mit den Erkenntnissen, die Gott durch Seinen Heiligen Geist geschenkt hat.
Ihnen an den Radios sage ich jetzt: „Segn ma uns am nächsten Sonntag?!“
Dabei hoffe ich, dass wir am Sonntag an der Kirchentür einander sehen und begrüßen können,
Ich erwarte aber auch, dass wir einander segnen durch die Gemeinschaft, durch das Zusprechen des Segens und durch das Gebet füreinander.

 

 


4. Juli
In einer Zeitschrift habe ich die skurrile Nachricht gelesen: Ein Mann aus Haifa in Israel hat beim Bezirksgericht Klage erhoben gegen Gott. Er wollte eine einstweilige Verfügung erreichen, wonach Gott aufhören soll, sich weiter in sein Leben einzumischen. Der Richter wies die Klage ab.
Bemerkenswert: Auch wenn dieser Mann gegen Gott rebelliert, sieht er in seinem Leben doch die Finger Gottes im Spiel.
Sehen Sie auch in Ihrem Leben die Finger Gottes im Spiel?
Ich sehe es so, und das ist für mich ein tröstlicher Gedanke. Ich sehe mich als Kind eines Vaters, dem mein Leben am Herzen liegt – Deswegen mischt er sich in mein Leben ein. Etwas Besseres kann mir nicht passieren.

 

 


5. Juli
In der Bibelstunde lesen wir gerade die Worte Jesu in der Bergpredigt:
„Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet. Seht die Vögel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“
Da wendet einer ein: Wir sind aber keine Vögel, sondern Menschen. Und wir haben die Fähigkeit, vorzusorgen“.
Ja. Und weil wir die Fähigkeit haben, vorzusorgen, darum sollen wir auch vorsorgen. Und zwar zuallererst für den Himmel. Denn dort sollen wir ja die längste Zeit des Lebens zubringen.
Für den Himmel vorsorgen heißt, Jesus suchen und sich mit ihm verbinden, denn er ist uns ja voraus in den Himmel, und er ist der Weg dorthin. Jesus sagt uns, wo wir ihn finden: Da, wo sich seine Gläubigen versammeln.

 

 


6. Juli
Dieser Artikel in der Wochenzeitung „Die Furche“ hat mich interessiert.
Die Überschrift: „Das böse Wort als Brandsatz“.
In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie verletzend auch Worte sein können. Wie viele Menschen, vor allem Frauen, Opfer von verbaler Gewalt sind, besonders im Internet.
Zur Zeit Jesu war vom Internet noch keine Rede, aber in seiner Bergpredigt hat er schon diese Problematik aufgegriffen.
Er sagt nämlich: Wer zu seinem Mitmenschen sagt „Du Narr“, der ist auch ein Übertreter des 5. Gebotes „Du sollst nicht töten“.

 

 


7. Juli
Wenn man die Bibel liest, beschleicht einen manchmal der Verdacht, dass da die Dinge ein wenig märchenhaft und fantasievoll ausgeschmückt sind. Da lese ich etwa gerade von einem Mann unter den Feinden des Königs David, von dem steht geschrieben: „Er war ein großer Mann, der hatte je sechs Finger und sechs Zehen, die machen zusammen vierundzwanzig“ (1. Chr. 20, 6).
Ich bin neugierig und schlage nach bei Wikipedia. Da steht tatsächlich das Phänomen der Polydaktylie beschrieben, dass jemand mehr als fünf Finger oder Zehen hat, und findet man auch Fotos von derartigen Gliedmaßen.
Hier zeigt sich, dass die Skepsis gegenüber der Bibel unbegründet ist und wir ihrer Botschaft vertrauen dürfen.

 

 


8. Juli
Manchmal werde ich gefragt:
Was sagt die Evangelische Kirche dazu? – zB zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden sollen.
Die Evangelische Kirche ist nicht ein Block gleichgeschalteter Menschen, sondern ein bunter Haufen von unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen. Das mag manchen sympathisch sein, manche mögen es bedauern. Das war schon so in der Kirche des 1. Jahrhunderts. Da wurde die Frage diskutiert, ob man als Christ Fleisch essen darf, das von Tieren stammt, die für heidnische Götter geopfert wurden. Die Antwort des Apostels Paulus: Tu, was du mit gutem Gewissen tun kannst. Wir müssen unsere Handlungen nicht voreinander, sondern vor Gott verantworten. Vor Gott müssen wir Rechenschaft ablegen.

 

 


9. Juli
Ich denke nach über den Satz:
„Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, von dem Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen“.
Ich gebe zu: Da ist schon etwas dran an diesem Satz. Es ist mir schon wichtig, wie mein Reden, Tun und mein Äußeres bei den Menschen ankommt.
Ein christliches Lernziel wäre es, weniger darauf zu achten, wie wir andere Menschen beeindrucken, sondern auf Gott zu schauen, und zu fragen, wie wir Gott gefallen können, mit unserem Denken, Reden und Handeln.
Ich glaube, das wäre eine Entlastung von vielen entbehrlichen Mühen.

 

 

   
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