Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen: 

(4. bis 10. Juni 2017)

 

4. Juni:
Alle Jahre wieder in der Woche vor Pfingsten sage ich den Schülern: Jetzt habt ihr vier Tage Pfingstferien. Was feiert die Kirche zu Pfingsten? Alle Jahre wieder erkläre ich es von Neuem: Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Wer oder was ist der Heilige Geist? Eine Antwort findet sich in diesem Wort Jesu:
„Ihr werdet die Kraft, des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein.“

Demnach ist der Heilige Geist eine Kraft. Eine Kraft, die die Jünger mutig erzählen lässt, was
sie mit Jesus erlebt haben.

Sie haben doch auch schon etwas mit Gott erlebt. Wenn Sie davon erzählen, dann ist der Heilige Geist am Wirken. Von solchen Dingen zu reden sind Sie nicht gewohnt. Gewohnte Bahnen verlassen – damit muss man rechnen, wenn der Heilige Geist wirkt. 



5. Juni:
Ich grüße eine gut bekannte Frau auf der Straße. Sie reagiert nicht sofort, nimmt dann die Sonnenbrille ab und sagt: „Mit der Brille habe ich dich nicht gleich erkannt“.
So ist es mit den Brillen. Sie können die Sicht verbessern oder verschlechtern.
Zu Pfingsten möchte ich auf eine ganz spezielle Sehhilfe hinweisen:
Auf den Heiligen Geist Gottes, der in uns den Glauben wirkt und uns sehen lässt, dass da ein Gott ist,
der in der Welt wirkt und gewiss auch in deinem Leben. 

 


6. Juni:
Neulich komme ich zum Kosaken-Friedhof in der Peggetz zu einem orthodoxen Gottesdienst. Da begrüßt mich jemand: „Grüß Gott, Herr Dekan“. Nein, sage ich, ich bin nicht der Dekan. Ich bin der evangelische Pfarrer.
Nach dem Gottesdienst erzählt mir der Dekan: Neulich, sagte er, war ich in einem Geschäft. Da sagt die Verkäuferin zu mir: „Auf Wiedersehen, Herr Pfarrer. Und schönen Gruß an die Tochter!“
Das passiert uns beiden öfter, dass die Leute uns verwechseln aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit im Aussehen – mit weißem Haar und Bart.
In diesen Verwechslungen drückt sich für mich schön aus, dass wir gar nicht so verschieden sind, weil wir im Grunde dasselbe wollen: Christus verkündigen als unseren Herrn, in dem wir verbunden sind, auch wenn wir IHM in verschiedenen Kirchen dienen.

 


7. Juni:
Ich komme im Krankenhaus zu einem Patienten, der gerade eine Blutkonserve bekommt. Wir sprechen über das Blutspenden; dass wir beide bis zu einem bestimmten Alter regelmäßig Blut gespendet haben. Nun, wo er Blut bekommt, erleben wir sehr deutlich, dass der Glaubenssatz wahr ist, dass wir alles, was wir geben, wieder zurückbekommen.
Oder wie es in der Bibel im Buch der Sprichwörter Salomos heißt (Spr 19,17):
Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem HERRN, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.
Manchmal erleben wir das schon in diesem Leben; ganz gewiss aber in der Ewigkeit. 

 


8. Juni:
Im Gang des Krankenhauses treffe ich auf eine Schwester und will sie nach einer Zimmer-Nummer fragen.
Sie sagt: „Hier bin ich leider nicht zuständig“.
Ich gebe zur Antwort: Sie müssen nicht „leider“ sagen. Seien Sie doch froh, dass Sie nicht für alles zuständig sind.
Ich denke weiter über diesen Wortwechsel nach. Es erleichtert mich sehr, dass ich für Vieles nicht zuständig bin. Die Erleichterung hat natürlich auch mit Vertrauen zu tun. Mit dem Vertrauen, dass die,
die zuständig sind, ihre Sache gut machen.

Und es hat mit Gottvertrauen zu tun. Mit dem Vertrauen, dass Gott dort Wachstum und Frucht schenkt,
wo ich den Samen seines Wortes ausgestreut habe.

 


9. Juni:
 „Im Grab schaust du nach oben“ – So heißt der Titel eines Kriminalromans. Beim Durchblättern eines Bücherkataloges bin ich auf diesen Titel gestoßen.
Dabei denke ich mir: Im Grab nach oben zu schauen, das ist leider zu spät. Es ist besser, schon im Leben nach oben zu schauen, nämlich zu Gott.
Glaube es, dass da ein Gott ist! Sage IHM immer wieder den Dank. Sage IHM aber auch immer wieder
deinen Kummer, deine Sorgen, deine Bitten.

Auch beim Lesen der Bibel schaust du nach oben, während deine Augen auf das Buch vor dir gerichtet sind. 

 


10. Juni:
In der Tiroler Tageszeitung fällt mir die Überschrift auf: „ein salomonisches Urteil“. Wenn Sie wissen, woher dieser Ausdruck kommt, dann gratuliere ich Ihnen zu Ihrem Bibelwissen. Wenn nicht, empfehle ich, in der Bibel nachzulesen: Im 1. Buch der Könige, Kapitel 3. Da wird berichtet, wie der König Salomo Gott um Weisheit bittet. Weiters wird von einem Streit zwischen zwei Frauen berichtet und wie Salomo herausfand, welche log und welche die Wahrheit sagte.
In der Bibel gibt es das Buch der Sprichwörter, das auch Sprüche Salomos heißt. Hier finden wir eine umfangreiche Sammlung von Weisheiten, von denen wir heute noch profitieren können.

 

 

   
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