Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen: 

(21. bis 27. März 2017)

21. März
In den katholischen Kirchen wird heute als Evangelium gelesen die Heilung eines blinden Bettlers durch Jesus.
Für mich ist bemerkenswert, wie die Gegner Jesu das Wunder bestreiten:
Der da behauptet, von seiner Blindheit geheilt worden zu sein, ist gar nicht der, der als blinder Bettler da saß.
Er sieht ihm nur ähnlich.

Der da behauptet, blind gewesen zu sein, war gar nicht blind.
Ich sehe da eine Parallele zu manchen Menschen heute, die auch versuchen, sich Jesu Anspruch vom Leib zu halten, indem sie bezweifeln, ob denn das überhaupt stimmt, was in der Bibel steht, bis zur Aussage: Wer weiß, ob Jesus überhaupt gelebt hat.
So sind manche Menschen: Lieber stellen sie Jesus in Frage, als sich von ihm in Frage stellen zu lassen.

 

 

22. März
Wenn Sie noch nicht dort waren, sollten Sie hingehen zur Fotoausstellung in der Liebburg mit dem Titel
„Glück kennt keine Behinderung“ bis 21.April.
Auf den Fotos werden Menschen gezeigt mit Down-Syndrom.
Oft hört man: Das sind Behinderte.
Ich bin dabei gewesen bei der Vernissage und habe solche Menschen erlebt, habe mich mit gefreut mit ihrer Freude, über ihre Musikalität und das gesunde Selbstbewusstsein und die Vorurteilslosigkeit, mit der sie auf Menschen zugehen. Ich frage mich dann, ob nicht die sogenannten Normalen die eigentlich Behinderten sind, wenn sie ihre Freude und Zuneigung nicht so zeigen können.
Häufig werden Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben. Ob diese Eltern es dann leichter haben, weiß ich nicht. Aber mit der Abtreibung verspielen sie das Glück, das Gott ihnen mit diesem Kind schenken wollte.

 

 

23. März
Haben sie schon einmal im Markus-Evangelium Kapitel zwei gelesen, dass Jesu Jünger von anderen angegriffen wurden, weil sie nicht fasten, während viele andere viel fasten?
Was sagt Jesus dazu?
ER sagt: Solange der Bräutigam da ist, können die Hochzeitsgäste nicht fasten.
Mit dem Bräutigam meint Jesus sich selber.
Ich glaube, dass der Bräutigam auch bei mir – bei uns - ist. Er hat ja gesagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ender der Welt“.
Deswegen nehme ich Jesu Geschenk gerne an, wenn er mir die Freiheit von menschlichen Fastengeboten schenkt.

 

 

24. März
Ich höre einer Frau zu, wie sie berichtet über die positive Arbeit in ihrer katholischen Pfarre und wie sie ihren Pfarrer lobt.
Ich ertappe mich dabei, wie bei mir statt Gefühlen der Freude Gefühle des Neids aufkommen.
Ich habe eben noch nicht genügend verinnerlicht, dass alle Christen und alle Pfarrgemeinden in Christus zusammengehören und dass es deswegen ein Grund zur Freude für alle ist, wenn an einem Ort etwas gut gelingt.
Ich weiß nicht, wo Du mitarbeitest. Vielleicht  beim Roten Kreuz, oder bei der Feuerwehr, oder bei einer anderen Organisation. Wenn nun in einer anderen Ortsgruppe etwas besonders gut gelingt, und du kannst dich mit den anderen mitfreuen, dann bist du schon ein Stück weiter als ich. Dann kann ich noch etwas von dir lernen.

 

 

25. März
Es hat mich erschüttert, als ich einem Patienten zuhörte, der aus seinem Leben erzählte:
„Ich habe Raubbau an der Gesundheit betrieben“, sagte er. „Ich wollte Geld verdienen. Und jetzt, wo ich krank bin, habe ich nichts mehr davon“.
Warum erzähle ich das weiter?
Es könnte ja sein, dass Du gerade dabei bist, denselben Fehler zu machen, und dass die Einsicht des Patienten, die für ihn leider zu spät kommt, bei dir gerade noch rechtzeitig ankommt und bei Dir ein Umdenken auslöst. 

 

 

 

26. März
In der Zeitung fällt mir eine Schlagzeile ins Auge.
Sie lautet: „IHS ist nicht gegen Mindestlohn“ Dabei ist IHS wohl die Abkürzung für das „Institut für höhere Studien“. IHS ist aber auch ein Kürzel für Jesus. Der ist auch nicht gegen einen Mindestlohn. Er erzählt ja die Geschichte, bei der ein Weinbergbesitzer Arbeiter sucht. Am Abend zahlt er dann jedem den vollen Tageslohn, auch denen, die erst am späten Nachmittag eingestellt wurden und nur 1 Stunde gearbeitet haben.
Ich denke, mit dem Tageslohn ist das Geschenk des Himmels gemeint, der nicht der Leistung des Menschen entspricht, sondern jedem zukommt, der sich von Jesus rufen lässt, unabhängig davon, ob das bereits in der Kindheit der Fall ist, in der Mitte des Lebens, oder erst am Lebensabend. 

 

 

 

27. März
Was ist das Schwerste für einen Pfarrer?
Nein nicht ein Begräbnis.
Beim Begräbnis kann ich sagen: Gott hat diesen Menschen aus dem zeitlichen Leben abgerufen. Ich weiß ihn in Gottes Hand. Ist er im Glauben verstorben, ist er in der Herrlichkeit Gottes.
Das Schwerste ist, wenn ich von der Bezirkshauptmannschaft die Meldung bekomme: Da ist ein Mensch aus der Kirche ausgetreten. Damit hat er sich vom Leib des Christus getrennt.
Wenn ein Finger, oder eine Hand, oder ein Fuß vom Körper abgetrennt wird und nicht wieder angenäht wird, stirbt das Glied und am Körper bleibt eine Wunde.
So schmerzlich ist es für mich, wenn sich ein Mensch von der Kirche trennt.
Solltest du so ein abgetrenntes Glied sein, dann suche wieder die Verbindung zum Leib. Zur Kirche Jesu Christi, damit du das ewige Leben nicht verlierst, zu dem Gott dich bestimmt hat.

   
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