Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen: 

(16. bis 22. Juni 2019)

 

16. Juni
Der heutige Sonntag 1 Woche nach Pfingsten heißt „Dreifaltigkeitssonntag“. Die christlich-kirchliche Lehre besagt, dass es nur einen Gott gibt, der sich aber dreifältig zu erkennen gibt, nämlich als Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist.
Das ist freilich schwer zu verstehen und zu erklären und es fragt sich, welche praktische Bedeutung diese Lehre hat und ob sie mehr ist als bloß ein Gedankenspiel. Ich denke, bei der Dreifaltigkeitslehre geht es um Beziehung. Gott selber ist liebevolle Beziehung in sich und zum Menschen und der Mensch ist von Gott gewollt als Beziehungswesen zu Gott und zu anderen Menschen.

 

17. Juni 
Im Psalm 125 lese ich den Satz:
Um Jerusalem her sind Berge, und der Herr ist um sein Volk her.
Ich schaue mich um. Um mich herum sind Berge - noch viel höher als die um Jerusalem her. Kleine Zeichen kann man ja leicht übersehen. Große Zeichen, so groß wie die Berge, kann man nicht so leicht übersehen. Immer, wenn du einen Berg siehst, soll er dich erinnern: Gott ist um dich her. Er schaut auf dich und beschützt dich.
 

 

18. Juni
Ein Bekannter sagt mir: Die Pension ist eine schöne Zeit. Sie hat nur einen Nachteil: Keiner überlebt die Pension.
Ich schon. Denn ich verlasse mich auf Jesus, der gesagt hat:
Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.
 

 

19. Juni
Als Kinder waren wir oftmals nicht gerade höflich. Wenn der andere etwas nicht verstand und ich es nicht wiederholen wollte, sagte ich öfter mal:
Der Pfarrer predigt nicht zweimal.
Da ahnte ich wohl noch nicht, dass ich einmal Pfarrer werden würde und die Botschaft Jesu sehr viel öfter als zweimal predigen würde: Den Zuspruch der Liebe Gottes, die Einladung zum Glauben und die Mahnung zur Umkehr und zur Liebe zu Gott und zur Nächstenliebe.

 

20. Juni 
Fronleichnam ist heute. Katholiken feiern den in der geweihten Hostie anwesenden Christus. Evangelische Christen feiern kein Fronleichnamsfest. Für alle Christen ist es gut, sich zu erinnern, dass Christus beim letzten Abendmahl gesagt hat: Das tut zu meinem Gedächtnis! Wenn wir Jesu Wort beherzigen und uns zur Kommunion einladen lassen, ist es uns zum Segen, wenn wir Jesu Wort in den Wind schlagen, ist es uns zum Schaden.
 

 

21. Juni
Ich freue mich auf einen Ausflug. Die Frau sagt: Freu dich nicht zu früh. Sie hat ja recht. Es könnte ja etwas dazwischenkommen. Ich will mich aber trotzdem darauf freuen. Dann habe ich wenigstens die Vorfreude gehabt, wenn ich schon nicht die Freude am Ausflug erlebe. Erst recht will ich in der Vorfreude auf den Himmel leben. Da kann man nicht früh genug anfangen, sich darauf zu freuen.
 

 

22. Juni
Auf einer Brücke sehe ich das Wort „MURDER“ aufgesprüht. Das englische Wort für Mord. Es lässt mich nachdenken, was damit gemeint sein könnte. Ist es eine Anklage gegen den Straßenverkehr, in dem Menschen sterben, eine Anklage gegen Umweltverschmutzung, die Menschen und Tieren das Leben verkürzt, eine Anklage gegen Menschen, die Fleisch essen oder Krieg führen? Es lässt mich aber auch an Jesus denken, der gesagt hat, dass jemand, der zu einem Mitmenschen sagt: „Du Idiot“, das 5. Gebot übertritt „Du sollst nicht töten“.


   
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