Die Radioansprachen der Sendung "Nachgedacht"

von "Radio Osttirol" hier zum Nachlesen: 

(25. bis 31. März)

 

25. März:
Heute ist Palmsonntag.
Der Name kommt von den Palmzweigen, die die Menschen von Jerusalem auf den Weg legten, als Jesus in der Stadt einzog, auf einem Esel reitend. Sie begrüßen und ehren ihn als König.
„Hosanna!“ rufen sie. Kaum einer weiß heute, was das bedeutet. Hätten Sie es gewusst? Es heißt „Hilf doch!“ Sie trauen Jesus, dem König, zu, dass er helfen kann.
Was trauen Sie Jesus zu?
Ich denke, der Palmsonntag ist nicht dazu da, dass wir uns selber in Szene setzen mit eindrucksvollen Palmbuschen oder gar mit meterlangen Palmlatten, sondern dass wir uns bewusst machen, dass Jesus bei einem jedem der König sein möchte, der das Leben regiert. ER möchte, dass wir ihm zutrauen, dass er auch unser Helfer ist und dass wir unsere Anliegen IHM im Gebet sagen.


26. März:
Ein begeisterter Schifahrer sagt zu mir: „Das war ein guter Winter! Da kann man sich nicht beklagen“.
Und ich denk mir: Da kann und soll man noch mehr tun, als bloß sich nicht beklagen. Nämlich „Danke!“ sagen. „Danke!“ sagen, dem Gott, der uns immer wieder wunderbar beschenkt.


27. März:
Kürzlich war ich beim Begräbnis des früheren Superintendenten Joachim Rathke bei Villach.
Viele Menschen waren beim Begräbnis.
Da habe ich so nachgedacht. Wenn einmal mein Begräbnis sein wird, werden wahrscheinlich auch viel Leute da sein.
Aber eigentlich ist mir ziemlich egal wie viele zu meinem Begräbnis kommen. Lieber ist mir, sie kommen zu den Gottesdiensten, die ich als Lebender feiere. Wobei es ja gar nicht um mich geht, sondern um das Wort Gottes, von dem Jesus sagt: Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren.


28. März:
Auf vielen Kirchtürmen ist ein Hahn angebracht. Er soll uns erinnern, dass Jesus zu Petrus sagte. Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.
So kam es dann auch. Dreimal sagte Petrus. Ich kenne Jesus nicht.
So soll es bei uns nicht sein.
Dabei sehe ich weniger die Gefahr, dass wir Jesus mit unseren Worten verleugnen, sondern eher mit unserem Tun. Dass wir so handeln, als ob wir Jesus nicht kennen würden.
Ich stelle mir vor, ein Moslem kommt nach Lienz und sagt sich. In Tirol sind alle Christen. Ich bin neugierig, wie Christen leben.
Zu welchem Ergebnis wird er wohl kommen?

29. März:
Gründonnerstag ist heute.
Da werden wir erinnert, dass Jesus mit seinen Jüngern das sogenannte „letzte Abendmahl“ gefeiert hat. Von Jesus haben wir das Gebot, dass wir auch dieses Mahl halten. „Solches tut zu meinem Gedächtnis“ sagte er.
Wenn jemand sich fragt: Bin ich denn würdig genug, dass ich an den Tisch des Herrn treten könnte? dem möchte ich sagen: Gerade der, der sich von Sünde belastet fühlt soll kommen und gläubig die Worte annehmen: „Christ Leib auch für dich gegeben. Christi Blut auch für dich vergossen“ und befreit und fröhlich seine Straße ziehen.
In meiner Kirche gibt es dieses Angebot morgen, am Karfreitag, und auch am Ostersonntag um 9:30 Uhr.


30. März:
Der Karfreitag ist für evangelische Christen – ich will nicht sagen der höchste – aber doch ein ganz hoher Feiertag.
Was gibt es denn da zu feiern?
Dass Jesus, der Mann am Kreuz, sagt: Es ist vollbracht!
Da hat er mit seinem Leben meine Schuld vor Gott abbezahlt – auf Heller und Pfennig abbezahlt.
So stehe ich vor Gott unschuldig und rein da.
Die Himmelstür hat sich mir geöffnet.
Wenn das kein Grund zum Feiern ist!


31. März:
Ich versuche mir vorzustellen, wie den Jüngern Jesu am Tag nach der Kreuzigung zumute gewesen sein mag. Und kann es mir doch nicht recht vorstellen, weil für mich noch nie so die Welt zusammengebrochen ist wie damals für die Jünger als Jesus starb.
Ich möchte den Jüngern sagen: Denkt daran: Er hat es ja gesagt, dass er gefangengenommen werden wird und dass er getötet werden wird. Aber er hat doch auch gesagt, dass er auferstehen wird. Denkt daran, dass er so gesagt hat. Morgen schon werdet ihr es erleben.
Es könnte ja sein, dass für mich auch einmal die Welt zusammenbricht. Dann hoffe ich, dass mich jemand an Jesu Worte erinnert und sie mir so sagt, dass ich sie fassen kann und ich in meiner Verzweiflung den Kopf wieder hochheben kann.

 

 

   
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