Herr Pfarrer Hecht hat die Möglichkeit bekommen, die Texte für die

Sonntags-Evangelien in der Tiroler Tageszeitung, zu verfassen

 

Mit freundlicher Genehmigung des Chefredakteurs der  Tiroler Tageszeitung 
können diese Texte auch hier online nachgelesen werden!

 

Sonntag, 3. Mai 2015 (Kantate)

Matthäus 11,25-30
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Burnout?

Kann Jesus das verhindern?

Burnout gibt es auch in der Kirche. Oft erwischt es die Besten. Pfarrer, die die Gemeinde super in Schuss haben. Auch „Laien“ kann es erwischen. Sie ist ja so tüchtig im Beruf. Da schafft sie es ja auch noch locker, dass sie den Pfarrgemeinderat leitet. Und es tut einem ja auch gut, wenn man hört: Das kann keiner so gut wie du. Insider kennen das. Außenstehende sagen vielleicht: Die sind ja blöd! „Selber blöd“ – kann ich als höflicher Mensch nicht schreiben, aber denken - im Blick auf Menschen, die es auf Perfektion abgesehen haben im Beruf, Fitness, Haushalt  und womit sie sich sonst plagen.

Nun sagt Jesus: Kommt her zu mir alle, die ihr euch plagt! Er sagt es denen, die mit der Kirche nichts am Hut haben und auch den Insidern. Ja, auch den Insidern – es ist ja nicht gesagt, dass sie schon ganz nahe bei Jesus sind, nur weil sie in der Kirche ein Amt haben.

Jesus finde ich in der Bibel und im Gottesdienst. Da ist er mit seinem Wort. Wer zu IHM kommt, wird wie ER: Sanftmütig und von Herzen demütig. Demütig ist, wer erkennt: Ich kann mich und die Welt nicht retten und brauche es auch nicht. Ich darf vertrauen auf den Vater, den Herrn des Himmels und der Erde und auf seinen Sohn Jesus Christus, der alles in seiner Hand hat. Er verspricht Ruhe.

Aber hat Jesus nicht auch Arbeit für uns? Freilich. Aber die Arbeit, die ER uns gibt, ist ein sanftes und leichtes Joch. Es ist eine Erholung, wenn wir es nicht mit zusammengebissenen Zähnen tragen, sondern gern und  entspannt,  im Vertrauen, dass das Wesentliche durch den Geist Gottes geschieht und nicht durch unsere Anstrengung.

„Kantate“ nennen wir diesen Sonntag. Das heißt „Singt!“ Vertrauen wir darauf, dass Gott durch unser Singen mehr in dieser Welt bewirkt als durch den Stress, den wir uns machen.

Dipl. Ing. Mag. Hans Hecht,
evangelischer Pfarrer

 

 


Sonntag, 10. Mai 2015 (Rogate)

Johannes 16,23b-28.33
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei. Das habe ich euch in Bildern gesagt. Es kommt die Zeit, dass ich nicht mehr in Bildern mit euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater. An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen. Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Unerhört!

Oder erhört Gott doch Gebete?

Herr Jesus, ich höre aus den Worten des Evangeliums, dass ich von Gott denken soll wie von einem guten, liebenden  Vater. Ich höre, dass wir in deinem Namen Gott, den Vater, bitten sollen, und er wird‘s uns geben.
Aber: Ich habe schon öfter um etwas gebetet und es nicht bekommen. Was heißt überhaupt „in deinem Namen bitten“?
Heißt das, um etwas bitten, das auch deinem Willen entspricht? Was ist dein Wille?
Aus dem Johannes-Evangelium habe ich herausgefunden: Du willst den Vater ehren und verherrlichen. Knecht sein und dienen. Du willst das Licht sein und das Brot und der gute Hirte. Frucht bringen und Frieden bringen. Und vor allem, dass die Menschen glauben und als Glaubende das Leben haben. Ewiges Leben. Und dass sie lieben: einander und dich, Jesus, und den Vater. Und dass sie untereinander eins sind, wie du mit dem Vater eins bist. Und du willst, dass sie dort sind, wo du bist. Du willst, dass sie nicht umkommen und ihre Freude vollkommen ist.
Dass Menschen zum Glauben kommen, bete ich immer wieder. Aber ich erlebe, dass sich Menschen vom Glauben abwenden.
Du sagst, wir sollen Frieden haben. Aber ich bin unruhig darüber, dass ich oft nicht empfange, was ich den Vater in deinem Namen bitte. Oder sollen wir erst Frieden und vollkommene Freude haben, wenn wir bei dir im Himmel sind? Oder soll die Freude des Lebens in der Vorfreude auf den Himmel bestehen?
Herr Jesus, gib mir deinen Heiligen Geist, dass ich dein Wort richtig verstehe. Dass ich fest glauben kann, dich lieben kann, richtig beten kann und erleben kann, was du versprichst: Freude und Frieden.
Amen.

Dipl. Ing. Mag. Hans Hecht
Evangelischer Pfarrer

 


Sonntag 17. Mai 2015 (Exaudi)

Johannes 15,26-16,4
Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich’s euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.


Grund zur Freude?

Oder ein Alarmsignal?

Bevor Jesus getötet wurde, sagte er seinen Jüngern voraus, dass sie auch damit rechnen müssen. Das hat sich bewahrheitet in den Christenverfolgungen unter den römischen Kaisern, und das ist heute Realität in vielen Ländern. Ist Ihnen bewusst, dass es heute im Christentum mehr Märtyrer (das sind Menschen, die für den Glauben sterben) gibt als je zuvor?
Aber – so möchte man sich beruhigen – sind wir froh, dass wir in Mitteleuropa als Christen unbehelligt sind!
Ich meine, wir haben keinen Grund, uns zu beruhigen.
Wenn ein Familienmitglied irgendwo im fernen Ausland im Gefängnis wäre, könnten wir doch nicht ruhig sein. Haben wir vergessen, dass wir als Christen eine weltumspannende Familie sind – Schwestern und Brüder?
Immer wieder hat sich gezeigt, dass die verfolgte Kirche gewachsen ist. Unsere Kirche schrumpft. „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.“ Das heißt nicht, dass wir das Martyrium suchen sollen. Aber wir müssen uns fragen, ob wir die Freiheit, die wir haben, ausreichend dazu nützen, für den Glauben an Christus zu werben.
Christus sagt von denen, die die Christen verfolgen, dass sie weder Gott, den Vater, noch ihn, seinen Sohn, erkennen. Erkennen denn WIR ihn? „Erkennen“ heißt in der Bibel immer auch „lieben“. Lieben wir ihn? Würden wir ihn lieben, würden wir auch „Zeugnis geben“ von ihm, das heißt von ihm reden wie Mütter bei jeder Gelegenheit von ihren Kindern reden.
Oder sind wir von Christus „abgefallen“, geschieden? Nein geschieden sind wir nicht von ihm, aber vielleicht wie manche Eheleute, die nicht wirklich miteinander, sondern höchstens nebeneinander leben.
Dass wir als Christen nicht verfolgt werden, soll uns nachdenklich machen.

Dipl. Ing. Mag. Hans Hecht,
evangelischer Pfarrer

 

 


 Sonntag 24. Mai 2015 (Pfingstsonntag)

Johannes 14,23-27
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Besuch kommt

Will ich das überhaupt?

Es kommt sehr darauf an, WER auf Besuch kommt. Und für wie lange. Und wie sehr er meine Zeit in Anspruch nimmt und meine Vorhaben beeinträchtigt.
Einmal vor vielen Jahren allerdings war alles ganz anders. Als ich meine Frau kennengelernt hatte, und sie mich zum ersten Mal besuchte. Ich wollte, dass sie bleibt. Sie, meine Liebe. Dass sie meine Zeit in Anspruch nahm und meine Vorhaben  umkrempelte – Es gibt nichts Schöneres. Wir heirateten und zogen zusammen. Und blieben zusammen. Inzwischen sind es 26 Jahre. Inzwischen am 6. Ort.
Jesus will auch einen Besuch machen. Zusammen mit seinem Vater. Aber er will kein unwillkommener, kein ungebetener Gast sein. Er will kommen auf der Basis der Liebe.
„Wer mich liebt…“ sagt Jesus. Da wird es wohl hapern. Aber wenn Sie wollen und bitten, dass Gottes Heiliger Geist zu Ihnen kommt, dann ist IHM dieses Wollen schon genug Liebe, dass ER auch kommt.
Wer ist es, der kommt? Wer ist der Heilige Geist? Es ist der Gott in uns. Er ist der „Tröster“. So übersetzt Luther das griechische „Paraklet“, lateinisch „Advokat“, deutsch: „der Herbeigerufene“, „der Beistand“. ER steht uns bei in unseren Ängsten, schenkt uns den Glauben an Gott und seinen Sohn Jesus Christus, tritt im Gebet für uns ein. ER kann von uns auch betrübt werden – wie auch meine Frau von mir. Dann bitte ich um Verzeihung, und sie vergibt mir. Das tut ER auch. Wie ich mich bemühe, auf die Wünsche meiner Frau einzugehen, so bemüht sich der vom Hl. Geist geleitete Christ (wäre er sonst ein Christ?), Gottes Wort zu halten; das heißt Gottes Wort aus der Bibel aufzunehmen, zu verinnerlichen und sein Leben danach auszurichten.
Wenn Gott bei uns Wohnung nimmt, kann das das Leben umkrempeln, innerlich und äußerlich. Das ist gut so. Und schön.

Dipl. Ing. Mag. Hans Hecht,
evangelischer Pfarrer

 


 

 Sonntag, 31. Mai 2015 (Trinitatis)

Johannes 3,1-8
Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Blinde sehen

Das hat mich beeindruckt in „Tirol heute“: Sehbehinderte Menschen in einem Bonsai-Garten betasten einfühlsam die Bäume und „begreifen“ etwas von der für sie unsichtbaren Wirklichkeit. Sicherlich mehr als mancher Mensch ohne Sehbehinderung.
Im Evangelium hat Nikodemus von Jesus mehr begriffen als Andere, nämlich dass Jesus kein Gotteslästerer ist, sondern „von Gott gekommen“ ist. Die „Zeichen“ und Wunder, die Jesus wirkte, führten ihn zu dieser Erkenntnis.
Erkennen Sie, lieber Leser, liebe Leserin, auch Wunder? In der Schöpfung. In der Geburt eines Kindes. In der Bewahrung in einer gefährlichen Situation. Wie Ihr Lebensweg geführt ist. Dass es Menschen gibt, die glauben.
Sind das alles Zufälle? Oder wirkt Gott der Vater, oder Jesus Christus, oder der Heilige Geist? Am Trinitatis- (Dreifaltigkeits-) Sonntag denkt die Kirche über diese Frage nach und gibt zur Antwort: Es wirken alle drei in Einheit gemeinsam.
Wo Gott wirkt, ist „Reich Gottes“. Durch die neue Geburt „aus Wasser und Geist“ – das ist die Taufe - kommt man ins Reich Gottes. Durch das Wort Gottes in der Bibel wird der neue Mensch genährt, dass er am Leben bleibt. Gewiss bleibt der neue Mensch auch lebendig durch Begegnungen mit Christus-Liebhabern, wie die Sehbehinderten einem Tiroler Bonsai-Liebhaber begegneten, der sie etwas Neues, Wunderbares begreifen ließ.

Dipl.Ing. Mag. Hans Hecht,
evangelischer Pfarrer

 

 

   
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