Herr Pfarrer Hecht schreibt in regelmäßigen Abständen 

unter der Rubrik "Weiterdenken" 

einen Artikel in der Bezirkszeitung "Osttiroler Bote"  

(August 2019)

 

 

 

8. August
Der Klimawandel und die Kirche

Die Experten machen deutlich, dass Politik, Wirtschaft und jeder Einzelne dringend entschlossen handeln müssen, damit der Temperaturanstieg gebremst wird. Das geht aber nicht ohne Verzicht. In Fernsehinterviews habe ich gesehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung aber nicht dazu bereit ist.
Welche Rolle spielt die Kirche bei diesem Thema?
Gewiss darf es die Kirche nicht verabsäumen, Christus zu predigen und wie wir durch den Glauben an ihn das ewige Leben gewinnen.
Die Kirche soll aber auch drauf hinweisen, dass Gott diese Erde als einen Paradiesgarten geschaffen hat, der nicht uns gehört. Aber „Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte“ (Genesis 2, 15). Kirche muss auch an das Gebot der Nächstenliebe erinnern.
Zu den „Nächsten“ gehören die Menschen, die bereits heute stark unter dem Klimawandel leiden und auch nachfolgende Generationen, denen wir nicht eine zerstörte Erde übergeben dürfen. Aber nicht nur vor ihnen müssen wir unser Handeln verantworten, sondern auch vor Gott, dem die Erde gehört.

Wenn es ums Verzichten geht, dann haben wir Christus als Vorbild. „Lasst uns aufsehen zu Jesus, … der,
obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete“ (Hebräer 12, 2).

Wer weiß, dass er reich ist, kann auch verzichten. Als Christen sind wir reich, weil wir Christus haben, der für uns das Brot und Wasser des Lebens ist. Wir sind reich, weil uns Christus in der Ewigkeit das Paradies öffnet, in dem es nicht einmal mehr den Tod gibt. Dort wischt Gott selber die Tränen von den Augen ab und es gibt kein Leid und kein Geschrei mehr (Offenbarung 21, 4).

 

 

22. August
Wir haben’s schön

Ein Urlauber sagt: „So schön ist es hier: die Berge, die Drau, der Tristachersee, die Natur - aber das brauche ich ja nicht alles zu erwähnen. Das habt ihr, die ihr hier lebt, ja jeden Tag vor Augen.“
Gut, dass der Urlauber das sagt und uns dadurch mit der Nase drauf stößt, wie schön es hier ist, wie gesegnet wir hier sind durch Dinge, die wir nicht mehr wahrnehmen, weil sie uns alltäglich sind. Gut, wenn Menschen von auswärts kommen, für die das alles neu ist und uns zu sehen lehren, was wir nicht mehr sehen.
Ein ähnlicher Effekt stellt sich ein, wenn wir einige Zeit weg waren und z.B, aus dem Urlaub aus einem südlichen Land wieder zurückkommen. Alles ist hier so angenehm grün. Es liegen nicht so viele Abfälle herum.
Das Wasser aus der Leitung schmeckt herrlich. Die Temperatur ist angenehm. Im eigenen Bett schläft es sich gut.
Für mich ist das Übersehen des Reichtums im eigenen Land ein Gleichnis für das Übersehen des Schatzes,
den wir im christlichen Glauben haben. Es kann vorkommen, dass Menschen, die die Bibel für sich neu entdecken und sich dadurch bereichert fühlen, uns anregen, uns auch auf Entdeckungsreise in der Bibel zu machen.
Es kommt vor, dass Menschen, die eine „Reise“ in eine andere Religion oder Sekte machen, mit Freude wieder in den christlichen Glauben zurückkehren, mit in der „Fremde“ neu geschärften Augen für Christus, in dem alle „Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen liegen“ (Kolosser 2,3). Dabei sind die größten Schätze wohl die Botschaft von der Liebe Gottes und die Freiheit, die uns Christus schenkt, die wir Evangelischen uns durch keinen Menschen rauben lassen wollen, schon gar nicht durch Menschen der Kirche.

 



29. August
Sucht!

Im Gesundheitsmagazin der TGKK steht: „Suchtkrankheiten sind tückisch. Da der Übergang von Genuss zur Sucht für Betroffene meist unmerklich geschieht, ist es oft nicht leicht, Suchtverhalten als solches zu erkennen. Besonders anfällig dafür zeigen sich Männer.“ Das trifft mich Mann. Psychologen können sicherlich gut erklären, warum das bei Frauen anders ist. Ich erkläre mir das von der Religion her. Frauen sind ja offensichtlich religiöser als Männer.
Die gläubige Frau hat einen Gott, der ihr die Kraft gibt, „nein!“ zu sagen zu einem Verhalten, bei dem sie die Grenze vom Genuss zur Sucht überschreitet. Ein gläubiger Mensch erlebt bisweilen ein Wunder – auch das Wunder, aus einer Sucht wieder herauszukommen.
Nährboden für eine Sucht kann sein innere Leere, Frustration, Einsamkeit, das Gefühl, nicht geliebt zu sein,
der Wunsch, sich selber belohnen zu wollen – wenn mich schon kein anderer belohnt.
Der Glaube an Gott entzieht der Sucht diesen Nährboden. Denn der reiche Gott füllt meine innere Leere aus.
Im Frust kann ich mich ins Gebet flüchten statt mich einzunebeln. Wenn ich allein bin, bin ich doch nicht einsam, weil ich in der Gottesgemeinschaft lebe und eingebettet bin in die Gemeinschaft der Gläubigen.
In meinem Bedürfnis nach Liebe höre ich auf die Zusage der unendlichen Liebe Gottes. Ich brauche mich nicht selbst zu belohnen, weil ich Gottes Lohn erwarte.
Es kann Männern und Frauen nichts Besseres passieren, als süchtig zu sein nach Gott.
Wer Gott sucht, hat eine Sucht, die nicht ins Verderben, sondern ins Leben führt.
Und Gott verspricht: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen (Jeremia 29,13).

 

 

 

   
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