Herr Pfarrer Hecht schreibt in gewissen Abständen 

unter der Rubrik "Weiterdenken" 

einen Artikel in der Bezirkszeitung "Osttiroler Bote"  

(diesmal von 01.Dezember bis 29. Dezember 2016)

 

 

 

29. Dezember 2016

Was Hänschen nicht lernt...

Mein Name „Hans“ ist praktisch als Ideengeber für diese Kolumne. „Was Hänschen nicht lernt,
lernt Hans nimmermehr.“ Es ist ja wohl eine Erfahrung, dass man viele Dinge in der Kindheit leichter
lernt als im Alter. Aber Was Hänschen nicht gelernt hat, googelt Hans.

Als ehrgeiziger Mensch versuche ich, mir zu beweisen, dass ich auch als 63-Jähriger noch etwas lernen kann. Bei mir liegt hinterm Haus ein Rennkajak. Im nächsten Sommer will ich sehen, ob ich es noch lernen kann, damit 5000 m zu paddeln, ohne nach 5 Metern ins Wasser zu fallen.
In unserer Kirche haben wir für jedes Jahr ein Motto.Die „Jahreslosung“ für 2017:
„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Dieses Wort gibt Hoffnung, nicht nur solche Dinge lernen zu können, für die es bestimmte geistige oder körperliche Fähigkeiten braucht, sondern innere Fähigkeiten, eben ein neues Herz. Das braucht es, um glauben, hoffen, lieben zu lernen. Oder für die Überwindung einer Sucht, von Ich-Sucht bis Alkohol-Sucht. Wenn es so ist, dass innere Leere die Ursache für eine Sucht ist, dann muss es doch möglich sein, dass Gott mit seinem Reichtum an Liebe, Weisheit, Geist und Gnade diese innere Leere füllt. Den Anschluss an diese Quelle Gottes finde ich beim Lesen der Bibel, im Gebet und im Gottesdienst.
Für das Neue Jahr wünsche ich uns nicht – wie es so oft heißt – „Bleib wie du bist!“, sondern die Fähigkeit des Lernens und Neuwerdens durch Gottes Kraft. Dass Gott uns gnädig ist und Gutes gönnt, davon bin ich überzeugt. Das sagt schon mein Name Hans, was bedeutet: Gott ist gnädig.

Seinen Segen im Neuen Jahr wünscht euch allen
Hans Hecht, evangelischer Pfarrer.

 

 

22. Dezember 2016

Weihnachtsgeschichte gesucht

Da sitze ich nun, ich Hans im Unglück, am Montagvormittag der letzten Adventwoche. Unvorsichtigerweise habe ich zugesagt, für den Osttiroler Boten etwas für Weihnachten zu schreiben. Aber vor lauter adventlichen Besinnungsstunden hatte ich keine Zeit, mich zu besinnen, was ich hier schreiben könnte.
Es soll ja nicht irgendetwas sein, sondern so, dass mich dann nach Weihnachten jemand auf der Straße anspricht und sagt: Das hat mir gefallen, was Du da im OB geschrieben hast.
Soll ich aus einem Büchlein eine nette Geschichte heraussuchen? Nein. Das wäre wieWeihnachten feiern mit einem gestohlenen Christbaum.
Als ich heute Früh hinausschaute, war es überall weiß. Es hatte über Nacht geschneit. Der Wetterbericht hat es ja gesagt, aber ich hatte nicht daran geglaubt. Könnte man nicht daraus eine Geschichte basteln, dass sich manchmal über Nacht Geheimnisvolles, Überraschendes ereignet? Mir fällt ein, wie ich als Kind meiner Mutter einen Brief an das Christkind diktierte. Am Abend legten wir den Brief in den Zwischenraum zwischen den Doppelfenstern. Ich erinnere mich auch noch an die Aktion jeden Herbst, als meine Eltern aus den einfachen Fenstern Doppelfenster machten, indem sie weitere Fensterflügel einhängten. Nachdem wir also am Abend den Brief ans Christkind ins Doppelfenster gelegt hatten, eilte ich in der Früh sofort zum Fenster, hauchte die Scheibe an, um die Eisblumen aufzutauen und Durchsicht zu bekommen und bemerkte: Der Brief war auf geheimnisvolle Weise über Nacht verschwunden. Das wäre etwas Nostalgisches.
Oder soll es etwas kindlich Humorvolles sein? Gestern beim Spatzengottesdienst war es. Wir haben einem Mädchen ein Tuch umgehängt und einem anderen einen Stock gegeben. Das waren Maria und Josef. Einem haben wir eine Schürze umgebunden und einen Kochlöffel in die Hand gedrückt. Das war der Herbergswirt. Als er die Frage hörte: Ist wirklich kein Quartier mehr frei? War seine schüchterne, aber deutlich vernehmbare Antwort: Doch!
Oder soll es besser eine konsumkritische Geschichte sein oder eine an die Nächstenliebe appellierende?
Ich denke an ein Packerl, bei dem sich jemand die Mühe gemacht hat, es nochmals zu verpacken, und noch viele weitere Male. Der Beschenkte hat dann die schöne Aufgabe, das Geschenk von allen diesen Hüllen zu befreien. Beim Weihnachtsfest ist es auch so. Da sind viele Hüllen: Nostalgie, Kindheitserinnerungen, Winterstimmung, Brauchtums und noch manches andere.
Wenn ich die Hüllen wegnehme, komme ich zu einem Satz aus der Bibel, den die Evangelische Kirche heuer den Gottesdienstbesuchern am Heiligen Abend zumutet:
So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh 3,16).
Warum ist Weihnachten das Fest der Liebe? Weil Gott die Welt liebt. Man beachte: die Welt – nicht bloß die Frommen. Es geht um ein Geschenk. Nicht das neue Smartphone, sondern Jesus Christus. Er ist das große Weihnachtsgeschenk Gottes. Dieses Geschenk verfolgt eine Absicht. Nämlich Glauben. Aber wem kann man denn überhaupt glauben? Dem, der aus Liebe so Großes schenkt. Der Glaubende soll nicht verloren sein. Nicht verloren in Einsamkeit mitten im Trubel. Nicht verloren im Aus und Ende, das unweigerlich kommt, sondern aufgehoben im ewigen Leben. Nicht im „ewigen Leben“ der immer mehr verblassenden Erinnerung der Angehörigen, sondern da, wo der ewig liebende Gott selber ist.
Vielleicht ist das etwas Nostalgisches. Weil es Dich erinnert an eine Zeit, in der Dir dieser Glaube unerschütterliche Gewissheit war. Vielleicht ist es etwas Kindliches, weil Kinder den Erwachsenen oft Vorbilder für den Glauben sein können. Es ist etwas Geheimnisvolles, weil wir die Größe Gottes mit unserem Menschenverstand niemals erfassen können. Es hat mit Nächstenliebe zu tun, weil der, der sich so von Gott beschenkt weiß, nicht anders kann, als Liebe weiterzuschenken.

Ich wünsche Dir ein gesegnetes Weihnachtsfest,
Hans Hecht, evangelischer Pfarrer.

 

 

15. Dezember 2016

Schlamp-Hans und das Christkind

Schlamp-Hans – das bin ich. Zu erkennen in meinem Beitrag hier von vergangener Woche, als ich schlampigerweise Elisabeth (Mutter von Johannes) als Mutter Marias angab statt Anna. Aber immerhin könnte man meinen Lapsus als kleines Weihnachtsgeschenk für den Leser ansehen, der die Freude hat, sagen zu können: Schau, der Pfarrer hat so viel studiert und irrt auch. Oder: Der wird auch schon alt.
Apropos Weihnachtsgeschenk – Wer bringt eigentlich die Weihnachtsgeschenke? Kürzlich gab es in Niederösterreich große Aufregung, weil ein Pfarrer den Volksschulkindern gesagt haben soll: Die Eltern bringen die Weihnachtsgeschenke. Das Bild eines weinenden Kindes ist beim entsprechenden Bericht im Internet zu sehen.
Ja, das ist schmerzlich, den Glauben zu verlieren – nicht nur den an das Christkind, auch den an Gott. Aber es besteht ja Hoffnung, den Glauben wiederzufinden – nicht den an das Christkind. Ich meine den Glauben daran, dass letztlich doch ER die Geschenke bringt: Das Geschenk meines Lebens, dass ich in Osttirol leben darf, das Geschenk, dass es Menschen gibt, mit denen ich in Liebe verbunden bin, Wohlstand, Frieden und Zufriedenheit. Ich nenne das Gnade. Unverdientes Geschenk.
Das größte Geschenk, das ER bringt ist sein Sohn Jesus Christus. Ihm, dem Christus, bringe ich nicht nur die Peinlichkeiten, die aus meinen Schlampereien entstehen, sondern auch meinen Egoismus, meine Lieblosigkeiten und die daraus wachsenden Taten, „Sünde“ genannt. Denn Christus sagt: Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die, die meinen, bei ihnen würde eh alles passen (Markus-Evangelium 2, 17). So befreit lässt sich’s gut leben.

 

 

7. Dezember 2016

Dumm ?!

Ist es nicht dumm, die Lehre der katholischen Kirche für dumm zu halten, ohne zu wissen was diese lehrt? Viele sagen: Wie geht das, wenn Maria am 8. Dezember schwanger wurde, dass sie dann am
24. Dezember das Kind gebar? - und wissen nicht, dass es beim Feiertag Mariä Empfängnis nicht darum geht, dass Maria schwanger wurde, sondern Elisabeth, ihre Mutter, wurde mit Maria schwanger.

Ist es nicht dumm zu sagen: Die Evangelischen haben die Maria nicht, ohne zu wissen, dass Martin Luther eine bewegende Auslegung des Magnifikat (Lobgesang der Maria) geschrieben hat und auch die Evangelischen sagen: „Jesus Christus, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“?
Ist es nicht dumm, an Mariä Empfängnis Geschenke einkaufen zu rennen, statt das Geschenk eines Ruhetages dankbar anzunehmen?
Ist es dumm von mir, diesen Text in der Haltung des Belehren-Wollens zu schreiben und dabei die Peinlichkeit zu vergessen, als es mir passierte, dass meine Ansicht falsch war, als ich den anderen für dumm hielt? Ist es nicht auch dumm, sich demütig gebärdend, überheblich zu sagen: Ich weiß, dass ich nichts weiß?
Ist es nicht dumm von mir, in der Absicht, den Leser unterhalten zu wollen, zu vergessen, dass ich als Pfarrer die Aufgabe habe, auf Glaube, Hoffnung und Liebe abzuzielen? Ist es nicht dumm von mir, von der Kolumne „Weiterdenken“ mehr zu erwarten, als dass vielleicht der eine oder wirklich weiterdenkt? Vielleicht in dieser Richtung weiterdenkt: Wenn ich resignieren möchte, weil ich keinen Weg sehe – ist es dann nicht dumm, anzunehmen, dass es keinen guten Weg gibt, nur weil ich keinen sehe?
Wäre es nicht klug, mit Maria zu lernen, dass für Gott nichts unmöglich ist?

 

 

1. Dezember 2016

Gott und die Polizei

Ich soll als Pfarrer die Segnung der neuen Polizeidienststelle in Lienz vornehmen. Im „Losungsbuch“ finde ich für den betreffenden Tag Psalm 119,14: Ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum.
Beim Stichwort „Mahnungen“ denke ich daran, dass die Polizei nicht immer gleich straft, sondern oftmals bloß ermahnt, in der Hoffnung, dass sich der Verkehrssünder darüber freut, dass er diesmal ohne Strafe davongekommen ist und es das nächste Mal genauer nimmt mit den Verkehrsregeln.
Bei Gott ist es auch so. Die Bibel berichtet von seiner unbegreiflichen Geduld in der er uns mit seinen Mahnungen begleitet. Gottes Mahnungen begegnen uns in den Worten der Propheten, Jesu und seiner Apostel, in der Bibel und gewiss auch durch manche Ereignisse, die uns nachdenklich machen. Möge Gottes Gnade uns dazu bewegen, nach seinem Willen zu fragen und danach zu leben. Wer nicht bereit ist zur Umkehr, muss allerdings auch mit Gottes Strafe rechnen.
Das Handeln der Polizei ist geadelt dadurch, dass es in gewisser Weise ein Hinweis auf Gottes Handeln ist. Allerdings gibt es auch einen entscheidenden Unterschied. Der Sohn Gottes, Jesus Christus, ist bereit, die Strafe zu zahlen, die wir verdient haben. Das tut er mit seinem Sterben am Kreuz.

Nach dieser meiner Ansprache lobte mich einer der Zuhörer für meine treffenden Worte, und meinte weiter: Die Polizei soll mehr mahnen und nicht immer gleich abstrafen. Ich hörte aus diesen Worten heraus, dass der Betreffende wohl schon oft mit den Gesetzeshütern wegen Schnellfahrens in Konflikt geraten ist, und nun wünscht er sich, dass die Polizei öfter Gnade vor Recht ergehen lässt, damit er ungehinderter die Geschwindigkeitsbeschränkungen übertreten kann.
Ich frage: Verdient so ein Mensch, der die Großzügigkeit der Polizei so ausnützt, nicht die Strafe? Und ich meine: Wir verspielen Gottes Gnade, wenn wir unser eigenes Leben führen statt umzukehren, uns Gott zuzuwenden und mit ihm zu leben.

 

 

 

   
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