Herr Pfarrer Hecht schreibt in gewissen Abständen 

unter der Rubrik "Weiterdenken" 

einen Artikel in der Bezirkszeitung "Osttiroler Bote"  

(Februar 2018)

 

 

 

01. Februar 2018

Gehört sich das?

Markus 1, 29–39 erzählt: Jesus kommt aus der Synagoge, also dem Bethaus, in dem sich Juden am Sabbat versammeln. Wenn das kein Grund ist, dass wir am Sonntag den Gottesdienst besuchen! Außer jemand ist krank, wie es von der Schwiegermutter des Petrus berichtet wird. Man beachte: Petrus, von dem es heißt, er sei der erste Papst gewesen, war verheiratet – wie wäre er sonst zu einer Schwiegermutter gekommen? Jedenfalls: Jesus heilt sie. Wenn Pharisäer da gewesen wären, hätten sie gesagt: Jesus, das darfst du nicht. Denn Heilen ist Arbeit, und am Sabbat darf nicht gearbeitet werden. Kaum dass sie geheilt ist, tut sie, was eine Hausfrau nicht lassen kann: Sie arbeitet. Sorgt für die Gäste. Wenn Jesus heilen darf, darf ich auch kochen!
Wenigstens die Bevölkerung, weiß, was sich gehört. Erst nach Sonnenuntergang – da gilt die Sabbatruhe als beendet – schleppen sie ihre Kranken herbei, dass Jesus sie heilt.
Es wird spät geworden sein und die Nacht kurz, denn in aller Frühe sucht Jesus einen einsamen Ort, um zu beten. Da wird erkennbar, wie Jesus das „Doppelgebot der Liebe“ lebt. Die Liebe zu Gott und den Menschen. Die Liebe zu Gott wird erkennbar an seinem Synagogenbesuch und an der Zeit, die er sich für das Gebet nimmt. Die Liebe zu den Menschen wird erkennbar, wie er sich um Kranke kümmert, ohne darauf zu achten, ob sich das jetzt gerade so gehört oder nicht.
Aber Vorrang hat Gottes Auftrag. Darum geht er anschließend in die nächsten Orte, um auch dort zu predigen, obwohl hier noch Kranke gewartet hätten.
Mir scheint, der bislang letzte Papst ist nahe an Jesus, wenn er auf Gottes Wort achtet und sich über manche Erwartungen von Menschen hinwegsetzt.

 

 

08. Februar 2018

Einen einzigen Buchstaben weglassen - große Wirkung?

Einen einzigen Buchstaben weglassen – große Wirkung
Nein, die Bibel wird nicht neu geschrieben. Der Urtext liegt in hebräischer und griechischer Sprache vor. Wir sind auf Übersetzungen angewiesen, die in gewissen Abständen überarbeitet (revidiert) werden, wobei die neuesten historischen und sprachwissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt und auf Verstehbarkeit Wert gelegt wird. Die Evangelische Kirche hat das Jubiläumsjahr 2017 zum Anlass genommen, Luthers Übersetzung der Bibel zu revidieren. Die neue „Einheitsübersetzung“ der katholischen Kirche kam bereits 2016 heraus.
Dabei zeigt sich, dass das Weglassen eines einzigen Buchstabens viel Sprengstoff birgt. Am Ende seines Briefes an die Christen in Rom (Römer 16,7) grüßt der Apostel Paulus eine Reihe von Gemeindegliedern, darunter „Junia“ (ein Frauenname). In der früheren Bibelübersetzung stand „Junias“, ein Männername. Dass mit der Weglassung eines einzigen Buchstabens aus einem Mann eine Frau wurde, wäre weiter nicht aufregend, wenn es von diesen Personen nicht hieße „Sie ragen heraus unter den Aposteln“, womit freilich nicht die zwölf Apostel gemeint sind, sondern ein viel größerer Kreis. Aber wenn es damals eine Apostelin gab, dann dürfte es doch auch heute Pfarrerinnen geben. Oder? Übrigens sind in der Pfarrerschaft in Evangelischen Kirche in Österreich ein Drittel Frauen.
Wir sehen, welche Sprengkraft die Bibel für die Kirche hat. Aber nicht nur für die Kirche als ganze, sondern auch für jeden Einzelnen, der die Bibel aufmerksam liest, was ich Ihnen ans Herz legen möchte. Seien Sie dabei darauf gefasst, dass bisherige Glaubensvorstellungen in Wanken geraten, aber Ihr Glaube eine neue, feste Basis bekommt.

 

 

15. Februar 2018

Das ist mir zu einseitig, Herr Bischof?

Im Osttiroler Boten vom 1. Februar weckte die fette Schlagzeile „Das Zölibat bringt es voll!“ mein Interesse. In dem Bericht über den Osttirol-Besuch von Bischof Hermann Glettler stand auch, dass er Kritik nicht meidet, darum erlaube ich mir eine solche.
Ich kritisiere des Bischofs Meinung, jetzt sei die Zeit, „dass wir den jungen Menschen auch den zölibatären Weg zumuten“. Diesen Weg kann allenfalls Gott jemandem zumuten, aber kein Mensch. Auf dem Bild sehe ich Kinder vor dem Bischof sitzen. Vielleicht fühlen sie sich bei seinen Worten zum zölibatären Weg gedrängt. Aber können sie denn wissen, wie sich das sexuelle Verlangen im Laufe ihrer Lebens entwickelt? Man muss ihnen doch auch die Worte des Apostels Paulus sagen: „Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist nämlich besser zu heiraten, als sich in Begierde zu verzehren“ (1.Kor 7,9). Man kann sich auch als Ehemann und Ehefrau in den Dienst Jesu und der Menschen stellen. Paulus schreibt von den Bischöfen, er soll „Mann einer einzigen Frau“ sein und seine Kinder gut erziehen (1.Tim 3, 2.4).
Man muss auch sagen, dass in der Bibel steht: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, und ich würde mir wünschen, dass in einer mindestens ebenso fetten Schlagzeile steht: „Die Ehe bringt es voll!“ Sie ist eine starke Lebensform.
Ich würde mir mehr Revolutionäre wünschen mit dem Ziel, dass die Römisch-katholische Kirche ihre Außenseiterrolle verlässt und es den Priestern freistellt, ob sie ehelos oder verheiratet Christus dienen wollen, wie das ja auch in evangelischen, orthodoxen, anglikanischen, altkatholischen und vielen anderen Kirchen der Fall ist.

 

 

 25. Februar 2018

Gott geliebtes Kind

Das Evangelium für den 25. Februar ist die „Verklärung Jesu“ (Markus 9, 2-10).
Der Berg Tabor in Israel soll der „Berg der Verklärung“ sein. Markus berichtet, dass Jesus vor den Augen einer kleinen, ausgewählten Gruppe von Jüngern in eine Lichtgestalt verwandelt (verklärt) wird. Es erscheinen vor den Augen der Jünger die längst verstorbenen altehrwürdigen biblischen Gestalten Mose und Elija. Es erschallt eine Stimme vom Himmel: „Dieser ist mein geliebter Sohn;
auf ihn sollt ihr hören“. Das Wort Jesu hat also Vorrang vor dem Wort des Mose, der für Israel als Gesetzgeber galt. Die Zukunftsschau Jesu hat Vorrang vor der Zukunftsschau des Elija und der anderen Propheten.

Der Bericht von der Verklärung wird eingeleitet durch die unscheinbaren Worte „nach sechs Tagen“. Diese Einleitung steht für uns da, damit wir nach den sechs Werktagen, wenn wir am Sonntag Gottesdienst feiern, dasselbe für uns erwarten, was damals die Jünger erlebten: Dass uns Jesus in einem besonderen Licht erscheint. Dass die vielen Stimmen und Meinungen, die im Alltag auf uns eindringen, und auch die eigenen Meinungen einmal in den Hintergrund treten und das Wort Jesu Vorrang bekommt. Das Wort Jesu findet sich im Neuen Testament der Bibel. Die Passionszeit (Fastenzeit) ist ein guter Anlass, darin zu lesen.
Ich halte es auch für keine Anmaßung sondern für berechtigten christlichen Glauben, wenn jemand die göttliche Stimme: „Dieser ist mein geliebter Sohn“ nicht allein auf Jesus bezieht, sondern für sich selber in Anspruch nimmt: „Ich bin Gottes geliebtes Kind“.

 

 

 

   
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