Herr Pfarrer Hecht schreibt in gewissen Abständen 

unter der Rubrik "Weiterdenken" 

einen Artikel in der Bezirkszeitung "Osttiroler Bote"  

(diesmal von 03. Dezember 2015  bis 02. Jänner 2016)

 

31. Dezember 2015

Ich hab´s gut

Zum Jahreswechsel wünsche ich Ihnen, dass es Ihnen so gut geht wie mir.
Ich blicke zurück. „Vergiss nicht, was der Herr dir Gutes getan hat!“ Das will ich beherzigen.
Gott, ich danke dir, dass du mich durchgetragen hast durch dieses Jahr. Ich danke dir für den Frieden. Dass ich habe, was ich brauche. Dass ich vieles nicht brauche. Danke, Gott, für die Menschen,
die es gut mit mir meinen, und für die anderen danke ich dir auch… Die 3 Punkte bedeuten,
dass Sie jetzt 3 mal gründlich weiter nachdenken sollen, was Gott Ihnen Gutes gegeben hat.

Natürlich gibt es auch Verlust. Im Alter verliere ich Fähigkeiten. Aber das akzeptiere ich, weil ich glaube, dass der Tag kommt, an dem Gott alles neu macht.
Es sind Menschen gestorben. Aber ich glaube, dass der Tod nicht das Letzte ist. Christus hat gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“.
Ich bin schuldig geworden. Aber wenn ich bei der Beichte der Gemeinde im Namen Gottes zuspreche:
„Dir sind deine Sünden vergeben“, dann gilt das mir selber auch.


Ich blicke nach vorne. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben“. Aus diesem Satz höre ich den Auftrag Jesu, weiterzuführen, was er angefangen hat. Mit Wort und Tat, mit den Kräften und Begabungen, mit dem Geist, Verstand und Unverstand, den er mir gegeben hat. Darüber hinaus habe ich nicht viel Zeit, mir Sorgen zu machen um mich selber. Das überlasse ich IHM.
Jesus sagt: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt“. Was brauche ich mehr?
Ich hab’s gut, weil ich Jesus habe. Das vor allem wünsche ich auch Ihnen zum Jahreswechsel.

 

 

24. Dezember 2015

Das große Weihnachtsgeschenk

Das größte Weihnachtsgeschenk beschert uns Gott selber. Ich finde dieses Weihnachtsgeschenk Gottes beschrieben in folgendem Satz aus der Bibel: „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16).
Ein Geschenk ist uns dann wertvoll, wenn wir merken: Da steckt Liebe dahinter.
Gott ist ein Gott der Liebe. Das merke ich an seinem wunderbaren Geschenk.
Er macht dieses Geschenk seiner geliebten Welt. Allen Menschen der Erde. Den Guten und Bösen, den Gläubigen und Ungläubigen, den Armen und Reichen. Denen, die meinen: Das habe ich mir verdient. Und denen, die sich für unwürdig erachten. Das Geschenk gilt sicherlich auch dir, denn du bist doch auch ein Mensch dieser Welt.
Das Geschenk heißt Jesus von Nazareth. Er ist der Sohn Gottes. Seit seinem Kommen können wir wissen: Gott ist in der Welt. Wir sind nicht gottverlassen und nicht dem Tod überlassen.
Aber wo kann ich ihn heute sehen, greifen, hören? Er hat gesagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. In der Gemeinschaft der Gläubigen ist er da.
Sein Wort, das wir da hören, lädt uns ein, ihm zu glauben und zu vertrauen. Das ist ganz entscheidend, weil Christus den Glaubenden verspricht: Sie sind nicht verloren, sondern haben das ewige Leben. Größeres kann uns gar nicht geschenkt werden.
Die Geschenke zu Weihnachten haben einen guten Sinn, wenn sie hinweisen auf das große Weihnachtsgeschenk Gottes. Wenn wir beim Schenken und Beschenktwerden auf Jesus Christus vergessen, dann wäre es besser, wir würden gar nicht Weihnachten feiern.

 

 

17. Dezember 2015

Eine bewegende Geschichte

Das Evangelium des 4. Advent-Sonntages (Lukas 1, 39-45) erzählt:
Maria ist schwanger mit Jesus und kommt auf Besuch zu Elisabeth. Als Elisabeth den Gruß Marias hört, spürt sie, wie das Kind – es ist der spätere Johannes der Täufer - in ihrem Bauch „hüpft“.

Diese Geschichte erinnert mich an die Schwangerschaften meiner Frau. Wenn ich sehen und fühlen konnte, wie sich unser Kind gerade im Bauch bewegte, bewegte das auch mein Herz. Da wird es sehr deutlich, dass auch das ungeborene Kind schon ein Mensch ist, eine Persönlichkeit, und dass die Gefühle des Kindes und der Eltern eng zusammenhängen. Wenn ich unsere Enkelkinder zähle, zähle ich immer auch das Ungeborene mit. Es ist ja auch schon ein Mensch.
Die Geschichte hat auch mit dem Glauben zu tun. Der noch nicht geborene Johannes erkennt bereits Jesus Christus. Glaube hat eben nicht unbedingt etwas mit dem Verstand zu tun. Es kann sein, dass ein Mensch mit einer geistigen Behinderung einen festeren Glauben hat als ein hochgebildeter Mensch. Kinder sind auch deswegen ein großer Schatz, weil sie mit ihrem Glauben ein Vorbild sein können und wir Erwachsenen von ihnen Glauben lernen können.
Maria trägt im Inneren verborgen Christus. Jesus sagt, dass er Wohnung nimmt in denen, die ihn und sein Wort lieben. So tragen auch wir Christus in uns und zu den Menschen. Wenn wir nur nicht selber größer und wichtiger sein wollen als ER, dann können andere vielleicht auch den Christus in uns erkennen.
Das ist wichtig, dass wir IHN zu den Menschen bringen, weil er der ist, der Vergebung bringt, selbst für einen Vater und eine Mutter, die ihr Kind haben umbringen lassen, noch bevor es geboren wurde.

 

 

10. Dezember 2015

Stimmung vermiest?

Wir lassen uns nicht gerne die Stimmung vermiesen. Schon gar nicht im Advent.
Johannes der Täufer vermiest manchem die Stimmung, wenn er die Menschen herausreißt aus ihren Wohlfühloasen und zum Tun herausfordert. Nachzulesen im Evangelium des 3.Advent-Sonntages,
Lukas 3, 10-18.

Darf denn Johannes das? Er tut es. Er ist der eigentliche Advent-Mann. Er bereitet die Menschen auf die Ankunft (lateinisch „adventus“) des Messias, des Christus, vor. Dabei ruft er ganz eindringlich zu einem veränderten Lebensstil auf. Ganz praktisch: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat. „Johannes light“ heute: Wer 12 Hemden hat, der gebe davon die zwei, die er eh nicht mehr anzieht, weil sie ihm schon zu eng sind und nicht mehr modern, ins Flüchtlingsheim.
Dabei geht es dem Johannes gar nicht darum, uns die Freude zu nehmen. Im Gegenteil.
Jeder kann die Erfahrung machen, dass es Freude macht, wenn wir uns weiterentwickeln. Weg von „Was gönne ich mir jetzt noch?“ hin zum Nachdenken darüber: „Was kann ich für einen anderen Gutes tun?“ Und vom Nachdenken hin zum Tun.
Wenn uns eines Tages Christus begegnet, – ob es nun der Tag ist, an dem er wiederkommt, oder in unserem Tod – dann werden wir froh sein, wenn wir durch unser Tun darauf vorbereitet sind.
Das ist, wie wenn meine Frau einmal zwei Tag weg ist. In der Küche ist schon ein Stapel schmutziges Geschirr. Es kostet mich einige Überwindung, das Buch, das ich gerade gemütlich zum Lesen angefangen habe, zur Seite zu legen und das Geschirr zu waschen. Aber wenn das dann getan ist, dann freue ich mich darauf, wenn meine Frau wiederkommt, und sagt: „Schön, dass Du abgewaschen hast!“ und mir einen Kuss gibt.

 

 

3. Dezember 2015

Advent heißt: ER kommt

Zwei Jünger Jesu in den 30-er Jahren des 1. Jahrhunderts sind im Gespräch:
„Unseren Jesus haben sie gekreuzigt und ins Grab gelegt. Aber er ist auferstanden und in den Himmel. Jetzt sind wir einsam und verlassen.“
„Aber ich habe noch seine Worte im Ohr.“ „Ja, seine Worte. Aber ER ist nicht mehr da.“ „Aber er hat gesagt, dass er wiederkommen wird.“ „Glaubst du das wirklich?“ „Er hat es doch gesagt.“ „Und wann wird das sein?“ „Ich hoffe bald.“ „Ja, hoffentlich bald.“
Liebe Leser, wo finde ich das heute: dieses Hoffen, Warten, Sehnen auf den wiederkommenden Christus? Ich finde es nicht auf den Advent-Märkten. Ach ja, sie heißen ja auch nicht Advent-Märkte, sondern Christkindlmärkte.
Ich höre die Worte im christlichen Glaubensbekenntnis „Er sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Aber ich spüre bei diesen Worten keine lebendige Erwartung.
Ich fände diese lebendige Erwartung gewiss bei den Christen im Gefängnis. Wie damals Johannes der Täufer sind sie nicht im Gefängnis, weil sie etwas verbrochen haben, sondern weil sie Christen sind in Ländern, die zwar Religionsfreiheit behaupten, aber es ist eine bloße Behauptung.
Weil ich aber weder in den Iran oder nach Nigeria fahre, versuche ich, die sehnsüchtige Erwartung nach Christus bei mir selber zu nähren, indem ich mich hier und jetzt im Gebet mit ihm verbinde, mich in seinem Wort vertiefe und mit seiner Gemeinde lebe. So rechne ich auch damit, dass mich nichts mehr so leicht schreckt: Nicht die Sorgen des Alltags, nicht der Tod oder Schreckensmeldungen, die auf uns zukommen, bevor ER kommt – denen, die auf IHN warten zur Freude.
   
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