Herr Pfarrer Hecht schreibt in gewissen Abständen 

unter der Rubrik "Weiterdenken" 

einen Artikel in der Bezirkszeitung "Osttiroler Bote"  

(diesmal von 08. Juni bis 29. Juni 2017)

 

 

 

08. Juni 2017

Dreifaltigkeit - das soll einer verstehen?

Die Lehre von der „Dreifaltigkeit“, die dem kommenden Sonntag nach Pfingsten den Namen gibt, gehört zum Kern des christlichen Glaubens, auch wenn das Wort in der Bibel nicht vorkommt. Folgende drei Aussagen kommen aber in der Bibel vor:
1. Es gibt nur einen Gott. 2. Jesus von Nazareth ist Gott. 3. Vater, Sohn und Heiliger Geist werden gemeinsam genannt.
Wie bringt man diese Aussagen unter einen Hut? Die Antwort der Kirche ist die Lehre von der Dreifaltigkeit, ausgedrückt mit dieser kurzen Formel: Es gibt ein göttliches Wesen in drei Personen. Dabei darf man sich hier bei „Person“ nicht einen Menschen vorstellen, sondern ein eigenständiges Wesen, das spricht und einen Willen hat.
In der Schule versuche ich es so darzustellen: Schaut mich an! sage ich. Ich bin Lehrer; aber auch Ehemann und Vater. Und doch bin ich nur einer.
Anschließend nehme ich das Tafeltuch und lege es (auch wenn es nicht ganz sauber ist) in drei Falten (Dreifaltigkeit) auf den Tisch. Dann streife ich es wieder glatt und sage: Seht, es ist nur ein Tuch.
Die Lehre von der Dreifaltigkeit ist das Alleinstellungsmerkmal des christlichen Glaubens gegenüber allen anderen Religionen. Der Christengott ist nicht fern und unsichtbar geblieben, sondern ist in Jesus als Mensch den Menschen nahe gekommen. Auch nach Jesu Himmelfahrt ist uns Gott immer noch nahe, ja er wohnt als Heiliger Geist, als Beistand und Kraft in den Christen.
Die Lehre von der Dreieinigkeit ist nicht bloß ein theologisches Gedankenspiel. Das Verhältnis von Vater, Sohn und Heiligem Geist in Einheit und Verschiedenheit ist ein ideales Vorbild für ein in Nächstenliebe gestaltetes Miteinander von Menschen.

 

 

14. Juni 2017

Fronleichnam mit oder ohne?

In der Rechtschreibung bin ich seit Volksschulzeiten schwach. Ich wäre geneigt „Frohnleichnahm“ mit zwei stummen h zu schreiben. Sohn schreibt man mit h - warum nicht auch Frohn? Ein Leichnahm bin ich, wenn der Tod mir das Leben nahm. Müsste man folglich nicht Leichnahm mit h schreiben?

Aber in der Rechtschreibung geht es nicht nach meiner skurrilen Logik, sondern um Tradition – wie bei Fronleichnam. Fragt man Katholiken, worum es da eigentlich geht, dann sind die Antworten so dürftig, wie wenn man Evangelische fragt, worum es zu Pfingsten geht.

Fronleichnam ist das Fest der Eucharistie. Evangelische sagen dazu „Heiliges Abendmahl“. Nach römisch-katholischer Lehre wird das Brot (die Hostie) in den Leib des Christus verwandelt und in der Prozession mitgetragen. Luther kritisierte das, weil Christus sagte „Nehmet und esset“, aber nicht „Tragt es herum“. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Fronleichnamsprozession zu einer Demonstration gegen die Evangelischen. Trotzdem geht heute in Deutschland mancher evangelischer Pfarrer oder Pfarrerin bei der Prozession mit. Bei uns ist Fronleichnam ohne h. Ohne Hans Hecht.

Es hat mich auch noch nie ein Pfarrer gefragt, ob ich bei der Prozession mitgehen will. Wenn, dann hätte ich die gute Ausrede: Ich muss nach Ferndorf in Kärnten zum Gustav-Adolf-Fest. Da werden gesammelte Gelder an Gemeinden verteilt, die Kirchen renovieren. Aber im Sinne der Ökumene würde ich doch zusagen, wenn ich kein stummer Hecht bleiben müsste, sondern die Gelegenheit hätte, eine biblische Predigt über Markus 14, 17-26 zu halten, über das Evangelium für den Gründonnerstag, als Jesus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl saß.

 

 

22. Juni 2017

Wo war denn der liebe Gott?

Vor der Kirche feierten die Kleinen Gottesdienst. Normalerweise feiere ich mit, aber diesmal kam ich gerade von einem anderen Termin zurück. Als mich eine Kleine sieht, fragt sie meine Frau: Wo war
denn der liebe Gott?

Sollte ich da mit Entrüstung reagieren, wie damals die Apostel Paulus und Barnabas in Lystra? „Was macht ihr da? Wir sind auch sterbliche Menschen wie ihr“ (Apg 15, 15).

Wie kommt die Kleine dazu, in mir den „lieben Gott“ zu sehen? Hängt es mit der Vorstellung zusammen, dass Gott in der Kirche wohnt, und ich wohne schließlich da – zwar nicht in, aber doch neben der Kirche.

Das Kind hat richtig erkannt, dass Gott in dieser Welt in Menschen da ist und oft durch sie handelt. Gott will segnen. Aber er lässt den Segen durch Menschen zusprechen. Nach evangelischen Verständnis sind dazu nicht nur Pfarrer und Pfarrerinnen, sondern alle Christen berufen. „Allgemeines Priestertum der Gläubigen“ nennen wir das. Jesus sagt, dass ER selber durch die Worte seiner Jünger zu Wort kommt: „Wer euch hört, der hört mich“ sagt er (Lk 10, 16).

„Wo war denn Gott? Ist nicht nur die Frage eines Kindes, sondern die Klage von Menschen, die Leid erfahren haben. Wer so Gott anklagt, muss es sich gefallen lassen, dass er selber der von Gott Angeklagte ist: „Wo warst du, als ich dich vergangenen Sonntag rief, um beim Gottesdienst mein Wort zu hören. Wo warst du, als ich hungrig, durstig und mittellos ins Land kam? Warum hast du mir nicht geholfen?“ Wenn du dann sagst: „So habe ich dich nicht gesehen.“ Dann sagt er: „Was ihr nicht getan habt einem von diesen geringsten meiner Brüder und Schwestern, das habt ihr mir auch nicht getan“ (Matthäus 25, 31 – 46).

 

 

29. Juni 2017

Frieden finden

Eine alte Frau erzählt im Bibelkreis:
Ich war in der Volksschule. Der Vater im Krieg. Kommt ein Mann zu mir und sagt, er kann etwas tun, dass es meinem Vater besser geht. Aber ich darf nicht mehr in den Religionsunterricht gehen. Da bin ich nicht mehr gegangen.
Da sagt einer aus dem Kreis: Richtig! Schließlich heißt es ja: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!
Eine andere: Man kann ja auch gläubig sein, wenn man nicht in den Religionsunterricht geht.
Ich merkte, wie diese tröstlich gemeinten Worte die Frau nicht befriedigten. Sie erzählte ihr Erlebnis, als wir gerade das Wort Jesu gelesen hatten:
Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. (Mt 10, 32-33)
Es erschüttert mich, dass dieses Verleugnen von damals nach einem dreiviertel Jahrhundert die Frau noch immer nicht in Ruhe lässt. Wie kann man da Frieden finden? Manchmal kostet es Tränen, zuzugeben: Ich habe nicht recht gehandelt. So war es bei Petrus, als er aus Angst seinen Herrn verleugnete.
Frieden mit Gott finde ich im Vertrauen auf Christus, der am Kreuz schon die Strafe für meine Sünde getragen hat. Weil er sie getragen hat, brauche ich sie nicht mehr zu tragen. In der Bibel kann ich lesen, dass ich dieses Gnadengeschenk Gottes im Glauben annehmen darf. So geht mir der Himmel auf. Allein Christus, allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Bibel machen mich gewiss: Wenn‘s aus diesem Leben geht, geht‘s in den Himmel. Mit dieser Gewissheit kann ich in Frieden leben und sterben.

 

 

   
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