Die Predigtstation um 1913

In den  „Lienzer Nachrichten“  vom
28. 03. 1913  stand folgendes zu lesen:

Protestantischer Gottesdienst in Lienz!
Am Dienstag, dem Feste Maria Verkündigung, wurde im Gasthof Thomas Huber protestantischer Gottesdienst abgehalten. Seit Wochen ist allgemein bekannt, dass ursprünglich das Hotel „Lienzer Hof“ dazu bestimmt war. Laut „Lienzer Zeitung“ vom 28.01.1911, sind bei der Volkszählung 1910 nur 3 Protestanten in Lienz gezählt worden. Die Zahl derselben ist seitdem nur sehr wenig gewachsen. Die Zukunft wird lehren, ob durch diesen Gottesdienst einzig den religiösen Bedürfnissen der ansässigen Protestanten gedient werden soll oder ob wie anderswo die Los von Rom-Bewegung ein neues Heim bekommen soll. Merkwürdig ist, dass Katholiken von Einfluss den Protestanten die Wege ebnen. Die „Lienzer Zeitung“ hat vor kurzer Zeit geklagt, dass die parteipolitischen Verhältnisse in Lienz unerträglich geworden seien; ob es nun besser wird, wenn auch noch die konfessionelle Spaltung dazu kommt?!

In Osttirol gab es im 19. Jahrhundert kaum Menschen mit evangelischem Glauben. Auch bedingt durch die Vertreibung von über 600 Evangelischen aus dem Defereggental. Erst durch den Bau der Bahnverbindung von Villach nach Franzensfeste (Südtirol) über Lienz wanderten wieder verstärkt evangelische Christen in den Raum um Lienz zu.

Die Pfarrgemeinde Lienz wurde im Jahre 1913 als Predigtstation der evangelischen Pfarrgemeinde Gries bei Bozen gegründet.
(Seelenzahl: 30 Personen)

 
Der erste Gottesdienst fand am 25. März 1913 im Gottesdienstraum des Hotel Eck in Lienz statt. An diesem besonderen Gottesdienst nahmen 70 Personen teil.
 

Aufgrund der Abtrennung Südtirols von Österreichs und damit auch vom Kirchenverband Bozen, übergab am 24. April 1920 die Pfarrgemeinde Bozen die Predigtstation Lienz zur Betreuung an die Pfarrgemeinde Spittal.

Am 7. Juli 1923 wird die Predigtstation Lienz offiziell in die Pfarrgemeinde Spittal/Drau eingepfarrt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gottesdienstraum im Hotel Eck

 

Erst im Mai 1936 informiert die Pfarrgemeinde Spittal die Predigtstation Lienz davon, dass der "Deutsche Evangelische Bund" der Entsendung eines 2. Vikars ab 1. August 1936 zugestimmt hat und fragt an, ob der Amtssitz des neuen Vikars, W. Nordheim, Lienz sein solle. Es wird aber letztendlich (mit dem Einverständnis der Predigtstation Lienz) doch Greifenburg als Amtssitz des neuen Vikars bestimmt, weil dieser Ort zentraler gelegen ist und auch einige andere Gründe nicht für ein Vikariat in Lienz sprachen. (Leider sind Dokumente und Bilder aus dieser Zeit beim Zimmerbrand des Vikars verloren gegangen.
Am 7. Juni 1938 stellt die Predigtstation Lienz den Antrag an den Oberkirchenrat, den Amtssitz des Vikars Wolfgang Nordheim nach Lienz zu verlegen.
Als Begründung führt man an: Lienz habe die größere evangelische Gemeinde, Lienz liege zu den anderen Stationen die der Herr Vikar mit zu versorgen habe, zentraler, und Lienz bekomme jetzt ein ganzes Regiment Militär, welche Glaubensgenossen dann auch seelsorgerisch zu betreuen seien.
"Wir wählten in der Systemzeit [Ständestaat] Greifenburg als Sitz für den Vikar, weil ein junger unerfahrener Vikar hier in Lienz am Sitz der Bezirkshauptmannschaft zu leicht Schwierigkeiten bekommen hätte. Heute ist das nun anders!"...
Am 22. Dezember 1939 wird Vikar E. Kontetzny als neuer Personalvikar in Lienz mit dem Amtssitz in Lienz berufen.
(bis er dann im April 1940 nach Wiener Neustadt verzog.)

Brief vom Vorstand der Predigtstation
an den Oberkirchenrat

„Besoldung des Herrn Hilfsgeistlichen“
Gleichzeitig mit der Verlegung
des Amtssitzes beantragt die Predigtstation Lienz
dass die Herren Hilfsgeistlichen
entsprechend
besoldet werden müssten.

Mit RM 100,- kann hier kein Mann auch bei den bescheidensten Ansprüchen leben, Lienz ist eine der teuersten Gegenden Altösterreichs, der Mann wäre hier direkt ein Hungerleider und müsste schließlich
der NSV (Nationalsozialistische Versorgungskassa)
zur Last fallen, das wäre doch
unter der Würde eines Geistlichen.
RM 200,- monatlich müsste ein Geistlicher hier
mindestens an Gehalt bekommen.

„Der Vorstand der Predigtstation H. Leopold".

 

 

   

   

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
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